Der Traum des Laubenpiepers

'Für uns gibt es nichts Schöneres': Siegfried und Waltraut Dombrowski verbringen den Großteil des Jahres in ihrem Kleingarten. Katarina Sass
"Für uns gibt es nichts Schöneres": Siegfried und Waltraut Dombrowski verbringen den Großteil des Jahres in ihrem Kleingarten. Katarina Sass

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07. Juni 2010, 08:59 Uhr

Schwerin | Schnecken, Spatzen, Katzen, ein blaues Schaf aus Ton und Keramik und dazwischen ganz viel Grün. Der Garten von Siegfried und Waltraut Dombrowski ist liebevoll gestaltet. Sie sind mit Leidenschaft Kleingärtner. "Für uns gibt es nichts Schöneres", sagen beide.

In der Schweriner Kleingartenanlage "Grabendreieck", die 1988 entstanden ist, reihen sich die Parzellen, getrennt durch üppig blühende Hecken, aneinander. Insgesamt sind es 23 Stück. Hier sind es vor allem jene Senioren über 60, die seit Jahrzehnten ihren Garten jenseits der Großstadt haben und ihn seitdem hegen und pflegen.

Der Stolz, die eigene Scholle nach Jahre unermüdlichen Säens und Erntens in ein kleines Paradies verwandelt zu haben, ist Siegfried Dombrowski anzumerken. "Man muss von dieser Sache ein Vorstellung haben, muss sie lieben, sonst braucht man es nicht machen", erklärt Dombrowski, der seit 1976 im Verein der Gartenfreunde (früher Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter - VKSK) aktiv ist. "Gartenarbeit ist eine Hundearbeit, aber wenn es blüht und grünt ist es eine Freude." Er sitzt in einem Stuhl auf der selbst gepflasterten Terrasse, über ihn blüht Efeu.

Wie bei vielen, die jetzt im Rentenalter sind und aus dem Osten Deutschlands kommen, sind die Beweggründe für einen Kleingarten auch bei den Dombrowskis praktischer Natur: "In vier Jahren hatten wir drei Kinder. Wenn ich denen was zu essen geben wollte, musste ich es anbauen", sagt seine Ehefrau und zuckt mit den Schultern. Heute bedeutet der Garten für sie ein Stückchen Luxus und der verdiente Lohn nach einem Leben harter Arbeit. "Wir haben viel geschuftet, ich habe 52 Arbeitsjahre hinter mir", erzählt der 71-Jährige.

Es gibt kaum etwas an Gemüsesorten, was es in dem Kleinod nicht gibt. Tomaten gedeihen in einem kleinen Gewächshaus, Blumenbeete in den unterschiedlichsten Farben leuchten in Reih und Glied, die Kartoffeln können sie jetzt schon ernten. Das alles erfordert Arbeit. "Gärten zum Erholen soll es hier eigentlich nicht geben", sagt der Rentner mit Nachdruck. Liegestühle hätten sie zwar, genutzt werden sie nicht. "Das ist ja auch gut so, ich will ja etwas ernten", sagt die 68-Jährige und lacht. Lange kann sie die Hände nicht still halten, macht sich bald wieder ans Werk und widmet sich ihren Blumen.

Beide befürworten den Zwang der Drittelteilung (ein Drittel Beet, ein Drittel Erholung, ein Drittel Laube) in Kleingärten. "Das war zu DDR-Zeiten auch so, und das war schon immer gut." Genau wie der Garten entstand auch die Laube in Eigenregie. Ein Doppelbett steht dort, daran grenzt eine Wohnküche. Einen Abstellraum und ein geräumiges WC komplettieren die 24 Quadratmeter. Geduscht wird unter einem Schlauch vor dem Haus.

Der Rundgang durch die Beete gleicht einer Tour durch ein Gartenbuch. Zu jedem Gewächs können sie eine Geschichte erzählen. Jenes stammt aus dem Mustergarten der Bundesgartenschau, dieses wurde zum 60. Geburtstag angeschafft. Sie experimentieren gerne, probieren Neues aus. "Wir haben den Schlauch hier aus dem Katalog bestellt", sagt der rüstige Senior und zeigt in dem feuchtwarmen Gewächshaus auf schwarze Schläuche. "Das Wasser in dem Schlauch wärmt sich auf und gibt die Wärme in der kalten Nacht wieder ab." Mit dem Prinzip landeten sie bereits im Fernsehen.

Ein weiterer Höhepunkt in dem Garten ist das Hochbeet, auf das sie besonders stolz sind. "Ist das nicht toll?" Die Frage ist eindeutig rhetorisch gemeint. In Pflanzenringen gedeihen zarte Kräuter-Stengel. Baldrian, Pfefferminze, Süßkraut, Bohnenkraut, Ananassalbei - Sorten, die sie für den Tee, Salben oder als Gewürze verwendet.

Doch die Arbeit als Kleingärtner erfordert auch, dass man auf den Sommerurlaub verzichtet. Siegfried Dombrowski bringt es auf den Punkt: "Wer ein Gewächshaus hat, kann nicht wegfahren." Aber das müssen sie auch nicht. Selbst im Winter lässt sie ihre eigene Scholle nicht in Ruhe. Dann gehen sie in der Anlage spazieren und sehen im Garten nach dem Rechten. Auf den Sommer haben die beiden lange warten müssen. Jetzt, wo er da ist, sind sie wieder ganz in ihrem Element.

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