Der Super-Winter hat das Land fest im Griff;Weihnachtsurlaub mit Hindernissen

Freikratzen auch für Pedaleure: Der Schnee machte aus diesem Fahrrad in Stralsund ein Winter-Kunstwerk. dpa
Freikratzen auch für Pedaleure: Der Schnee machte aus diesem Fahrrad in Stralsund ein Winter-Kunstwerk. dpa

von
27. Dezember 2010, 08:43 Uhr

Rostock/Rügen | Schneemassen und eisiger Wind haben Mecklenburg-Vorpommern über Weihnachten in die Zange genommen. Bis zu 25 Zentimeter Neuschnee und teils meterhohe Verwe hungen hatten schon in der Nacht zu Heiligabend für Straßensperrungen gesorgt. Die Inseln Rügen und Usedom waren am Freitag und Samstag wegen der Schneeverwehungen nicht mit dem Zug erreichbar. Am Sonntag rollte der Bahnverkehr auf den Hauptstrecken dann wieder. Am Freitag war auf Rügen sogar der Straßenverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen, ebenfalls wegen Schneeverwehungen. Wer am Freitag per Flugzeug nach Köln wollte, hatte Wetterpech: Germanwings musste Flug 4U65 streichen, 67 Fluggäste saßen in Rostock-Laage fest oder mussten auf die Bahn umsteigen.

Aber auch der Schienenverkehr ächzte unter der Schneelast: Wegen vereister Oberleitungen ging vielerorts nichts mehr, die Bahn musste Busse einsetzen.

Regelrechtes Schnee-Chaos herrschte auf Rügen: Kräftige Schneefälle von über 40 Zentimetern und Sturm bis Windstärke 6 hatten am Heiligabend den Verkehr auf der Insel nahezu lahmgelegt. Die Polizei riet Inselbewohnern und Gästen dringend dazu, das Auto stehen zulassen. Vor allem im Inselnorden und auf der Halbinsel Wittow blockierten meterhohe Schneeverwehungen den Verkehr. Das Technische Hilfswerk (THW) wurde bereits in der Nacht alarmiert. Zwischen Gingst und Bergen bargen THW-Helfer am Freitag einen in einer Schneewehe festgefahrenen Rettungswagen mit einem Notfallpatienten. In einem weiteren Hilfseinsatz wurden Dialysepatienten mit schwerer Räumtechnik von Stagard ins Krankenhaus Bergen gebracht.

Besonders bitter angesichts teilweise zweistelliger Minustemperaturen: Rund 1500 Haushalte in Torgelow (Kreis Uecker-Randow) und Mirow (Kreis Mecklenburg-Strelitz) waren noch am Samstagnachmittag ohne Strom. Bäume waren unter der Schneelast umgeknickt und auf Stromleitungen gestürzt, sagte ein Sprecher des Energieunternehmens Eonedis in Potsdam. Eine größere Störung im Überlandnetz konnte jedoch behoben werden. Wegen dieser Störung waren in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg an Heiligabend zeitweise sogar 36 000 Haushalte ohne Strom.

Am Samstag beruhigte sich das Wetter, gestern brachte vielerorts sogar Sonne den Schnee zum Glitzern und ließ eine Muster-Winterlandschaft aufleuchten - zur Freude von Wanderern und Weihnachtstouristen.

Davon gab es einige: Nur wenige Urlauber hatten sich durch das drohende oder tatsächliche Verkehrschaos von ihrer Reise an die Ostsee abhalten lassen, wie der Sprecher des Landestourismusverbandes, Tobias Woitendorf, sagte. Die Hotels im Land seien durchschnittlich zu 45 Prozent ausgelastet gewesen. Woitendorf: "Das ist für Weihnachten in Ordnung." Stornierungen wegen der Wetterverhältnisse habe es nur vereinzelt gegeben, sagte er gestern nach Gesprächen mit Hoteliers.

Die meisten Gäste kämen allerdings nicht mit der Bahn, sondern mit dem Auto, hieß es. Außerdem musste sich mancher Hotelier einiges einfallen lassen: So schickte das Hotel "Das Ahlbeck" in Ahlbeck auf Usedom ein Taxi nach Greifswald, um Gäste abzuholen, die dort gestrandet waren. "Die Greifswalder Taxen weigerten sich, aus der Stadt hinauszufahren", berichtete Hotelmitarbeiterin Kristin Kasper am Sonntag. Die Fahrt habe drei Stunden gedauert, aber schließlich seien die Gäste wohlbehalten eingetroffen. Das Hotel mit 120 Betten, das an den Feiertagen zu mehr als zwei Drittel belegt war, habe lediglich eine Stornierung wegen des Wetters gehabt. Zu Silvester werde man restlos belegt sein.

Auch Woitendorf schaut optimistisch auf das Geschäft zum Jahreswechsel. Er geht von einer Auslastung der Hotels von 90 Prozent aus - "wenn es nicht noch extreme Wetterunbilden gibt". Die Hoteliers und Kurorte organisieren vielfältige Aktionen zum Jahreswechsel, wie Silvester im Strandkorb oder die Show "Leuchtturm in Flammen" in Warnemünde.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen