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Lindners Abgang, Röslers Not: Der tiefe Absturz der FDP : Der smarte General tritt ab

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Am Abend präsentiert Philipp Rösler den Neuen. Wenige Stunden nach dem Rücktritt von Christian Lindner stellt der FDP-Chef seinen neuen Generalsekretär vor. Patrick Döring soll die Rolle des Partei-Managers übernehmen.

Berlin | Am Abend präsentiert Philipp Rösler bereits den Neuen. Siebeneinhalb Stunden nach dem Rücktritt von Christian Lindner stellt der FDP-Chef seinen neuen Generalsekretär vor. Patrick Döring, FDP-Schatzmeister und Bundestagsabgeordneter soll die Rolle des Partei-Managers übernehmen und die Lücke schließen, die sein Vorgänger hinterlässt. Döring werde die Kampagnenfähigkeit der Parteizentrale „schnellstmöglich wieder herstellen“, kündigt Rösler an, und es klingt als habe es bei dem scheidenden „General“ Lindner genau daran gemangelt.

Gestern morgen der Paukenschlag: „Auf Wiedersehen!“, sagt Christian Lindner, lächelt und tritt ab. Fragen lässt er nicht zu, will nicht mehr als die wenigen Sätze sagen, keine weiteren Details zu seiner überraschenden Rückzugsentscheidung preisgeben. Zwei Minuten neun Sekunden dauert seine dünne Erklärung vor der eilig herbeigerufenen Hauptstadtpresse. „Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen“, sagt Lindner. Er wolle Parteichef Philipp Rösler die Chance geben, die Bundestagswahl 2013 mit einem neuen Generalsekretär vorzubereiten und neue Impulse zu geben. Natürlich werde er auch weiter für den politischen Liberalismus kämpfen, kündigt Lindner an, macht klar, dass er sein Bundestagsmandat behalten werde und auch in Zukunft noch mit ihm zu rechnen sein dürfte.

Der Abgang, ein Paukenschlag, der die FDP und Rösler noch tiefer in die Existenzkrise stürzt. Der Altliberale und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum diagnostiziert bei seiner Partei jetzt akute „Lebensgefahr“, sieht die FDP ganz nah am Abgrund. Entsetzen, Bedauern, die FDP im „Schockzustand“, wie Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Gefühlslage beschreibt. „Jämmerlich, wirklich jämmerlich“, beklagt FDP-Rebell Wolfgang Kubicki den Zustand der Partei.

Über ein Zerwürfnis des scheidenden Generalsekretärs mit seinem Parteichef wird spekuliert. Lindner ziehe sich zurück, setze auf Röslers Scheitern und wolle dann selbst nach dem Amt des Parteichefs greifen, munkelt man. Rösler bedauert den Abgang und dankt ihm später noch einmal öffentlich vor der Presse in der Parteizentrale. Von Dynamik und neuen Impulsen, von denen Lindner gesprochen hatte, ist bei Röslers Auftritt vor den Kameras nicht viel zu spüren. Ein paar Worte des Dankes, ein Verweis auf die Sitzung der Führungsgremien und die Bekanntgabe des Ergebnisses des Euro-Mitgliederentscheides Ende der Woche, der Freitag könnte über Röslers politische Zukunft entscheiden.

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erstellt am 14.Dez.2011 | 07:54 Uhr

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