Bauprojekt : Der Schweriner Landtag der Zukunft

Der künftige Plenarsaal des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern: Direkt am Fenster sitzt das Präsidium, davor befinden sich die  Regierungsbänke und das Rednerpult.  Die Plätze der Abgeordneten sind in einem offenen Kreis angeordnet. Oben befinden sich die Emporen, von denen aus   Besucher die Debatten verfolgen können
1 von 2
Der künftige Plenarsaal des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern: Direkt am Fenster sitzt das Präsidium, davor befinden sich die Regierungsbänke und das Rednerpult. Die Plätze der Abgeordneten sind in einem offenen Kreis angeordnet. Oben befinden sich die Emporen, von denen aus Besucher die Debatten verfolgen können

Das größte Bauprojekt im Schweriner Schloss beginnt in zwei Wochen. Bis 2017 soll für insgesamt 26 Millionen Euro ein neuer repräsentativer Sitzungssaal für das höchste politische Gremium des Landes errichtet werden.

svz.de von
19. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Nach der nächsten Landtagswahl im Herbst 2016 erwartet die frischgewählten Abgeordneten des Schweriner Parlaments ein Novum. Zum ersten Mal wird die konstituierende Sitzung des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern nicht im Schweriner Schloss stattfinden und auch die zweite Sitzung mit der Wahl des neuen Ministerpräsidenten muss an einem anderen Ort durchgeführt werden.

Grund ist der bislang größte Umbau im Schweriner Schloss. Der Landtag soll einen 26 Millionen teuren, neuen und repräsentativen Sitzungssaal bekommen. Die letzte Landtagssitzung der aktuellen Legislaturperiode im Juni 2016 wird gleichzeitig die letzte im alten Plenarsaal sein. „Doch erst im Januar 2017 ist der neue Plenarsaal komplett fertig“, sagt Landtagsdirektor Armin Tebben.

Die Parlamentarische Baukommission, dem die Landtagspräsidentin, Vertreter der Fraktionen und des Finanzministeriums angehören, will aus der Not eine Tugend machen und die ersten beiden Sitzungen der neuen Volksvertreter nach Vorpommern verlegen. Der östliche Landesteil bot bislang kaum eine Bühne für landespolitische Entscheidungen. So könnte der nächste Ministerpräsident Ende 2016 in der Aula der Greifswalder Universität gewählt werden oder im historischen Stralsunder Rathaus.

Schon im Januar 2014 soll der Umbau losgehen. Die relativ lange Bauzeit von drei Jahren ist dem behutsamen Vorgehen geschuldet. „Denn trotz der Bauarbeiten soll der Betrieb im Landtag und im Museum so wenig wie möglich beeinträchtigt werden“, erklärt Landtagsdirektor Tebben. Erst in der heißen Phase von Juni bis Dezember 2016 komme es zu Einschränkungen. Auch die Straße vor dem Schlossgarten- und vor dem Burgseeflügel wird nicht gesperrt. Ein Platz für die Zwischenlagerung des Bauschutts ist allerdings bislang noch nicht gefunden.

Der Plenarsaal entsteht auf einer Fläche von 283 Quadratmetern im früheren herzoglichen Goldenen Saal im Schlossgartenflügel. Wer heute im Saal steht, kann sich kaum vorstellen, dass hier in drei Jahren das höchste politische Gremium Mecklenburg-Vorpommerns über die Geschicke des Landes bestimmen wird.

Derzeit prägen nacktes Ziegelmauerwerk, heraushängende Elektrokabel und ein Gürtel von 250 Tonnen Stahlbeton für die Emporen des Festsaals aus DDR-Zeit das Bild des über drei Etagen hohen Raumes. Von dem DDR-Festsaal, in dem früher Jugendweihen und Konzerte stattfanden, ist nichts mehr übrig. Die Holzverkleidung, die Sitzreihen und der Fußboden sind längst rausgerissen.

Vom Landtag der Zukunft gibt es genaue Vorstellungen. Das Münchner Architekturbüro Dannheimer und Joos hat mit seinem Modell einen Wettbewerb um den schönsten Sitzungssaal-Entwurf und den Auftrag gewonnen. „Wir möchten ein modernes Verständnis von Demokratie mit dem historischen Bau verbinden“, hatte der Architekt Tilman Joos gesagt.

Der künftige Plenarsaal ist hell und durch die großen Fenster lichtdurchflutet. Die Bänke der Fraktionen bilden zusammen mit den Regierungsbänken einen offenen Kreis. Die dominierende Farbe ist Weiß, schwarze Stühle sollen dazu einen Kontrast bilden. Von den Besuchertribünen auf zwei Emporen hat man einen Überblick über den gesamten Saal.

Wenn in zwei Wochen die Bauarbeiten beginnen, sollen als erstes der Fußboden und die Dachträger freigelegt und verstärkt werden. Anschließend müssen die Bauarbeiter die 250 Tonnen Stahlbeton zerstückeln und aus dem Saal schaffen. 2015 sollen alle Rohbauarbeiten einschließlich des Einbaus eines neuen Fahrstuhls abgeschlossen sein. Im letzten Baujahr 2016 bekommt der Saal seine Inneneinrichtung und den Feinschliff.

Der Neubau war von der Baukommission im Februar 2012 beschlossen worden. Zuvor war mehr als drei Jahre über die Investition diskutiert worden. Befürworterin war vor allem Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider (SPD). Sie argumentierte damit, dass die Parlamentarier im jetzigen Plenarsaal in Zweierreihen mit der Blickrichtung nach vorn wie im Bus oder „wie in einer Schule mit Frontalunterricht“ sitzen. Die Akustik sei zudem schlecht. Besucher am Ende des Saales könnten der Debatte kaum folgen und würden ihre Volksvertreter immer nur von hinten sehen. Außerdem steht die Sanierung des Schlossgartenflügels, der beim Brand 1913 besonders stark beschädigt wurde, ohnehin an.

Bislang sind rund 26 Millionen Euro veranschlagt: Die Beseitigung der Spätfolgen des Schlossbrands vor hundert Jahren und die Sanierung des Schlossgartenflügels werden etwa zehn Millionen Euro kosten. Rund sieben Millionen Euro sind für den neuen Plenarsaal vorgesehen. Sonstige Infrastrukturarbeiten wie der Umbau des jetzigen Plenarsaales zu Konferenzräumen werden mit vier Millionen Euro beziffert. Genaue Summe: 21,7 Millionen Euro. 4,3 Millionen Euro sind als Puffer gedacht, falls weitere Kosten anfallen.

Die Linksfraktion ist das erste Opfer und wegen der anstehenden Bauarbeiten bereits von ihren Büroräumen im Schloss in das knapp 400 Meter entfernte ehemalige IHK-Gebäude umquartiert worden. Der Parlamentarische Staatssekretär der Linken, Peter Ritter, sieht das allerdings gelassen: „Die Linksfraktion hat für die kommenden drei Jahre ihr eigenes Schloss.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen