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Der Reiz ist das Schrauben

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erstellt am 28.Apr.2011 | 08:08 Uhr

Anklam | Ein West-Auto hat er noch nie gekauft: "Ich fahre überall mit dem Trabi hin", meint Jens Rüberg. Sein erster hatte die in der DDR bevorzugte Farbe Himmelblau - "mit 18 vom Vater bekommen", erzählt der 36-Jährige. Inzwischen stehen 14 Trabant in der Fahrzeughalle. "An allen selbst mitgebaut", freut sich der junge Mann. Seine Begeisterung für den inzwischen Kultstatus erreichten Zweitakter kennt kaum Grenzen: "Das Coole am Trabi ist, man kann allein schrauben und das Auto zusammenbauen", sagt er.

Das steckt an: Der junge Mann ist wohl der größte Trabi-Fan in Mecklenburg-Vorpommern. Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten hat der Chef des Trabbi-Buggy-Clubs ´93 e.V. Anklam zusammen mit gleichermaßen Technikverrückten die kleine vorpommersche Kleinstadt Anklam zum Mekka der Trabi-Jünger in Ostdeutschland gemacht. Ihre jährlichen Treffen haben Kult-Charakter: Tausende Fans mit hunderten Rennpappen ziehen jedes Jahr in die Hansestadt zum derzeit größten Trabi-Treffen Deutschlands. Vom 1. bis 5. Juni 2011 kommen sie wieder. 750 Fahrzeuge und 1500 Gäste aus allen Bundesländern erwarte er zur diesjährigen Trabant-Schau auf dem Flugplatzgelände von Anklam - inzwischen ins Rentenalter gekommene Erstbesitzer ebenso wie junge Leute. Nach der Wende seien nahezu in jeder größeren Stadt Trabi-Clubs gegründet worden, erklärt Rüberg - jetzt werden es immer weniger.

Mehr als 150 Fanclubs sollen in ganz Deutschland ihrem Lieblingsgefährt huldigen - mit allerlei Devotionalien: Von der "I love Trabant"-Tasse über den Nasenring mit Sachsenring-Logo bis hin zum Babylätzchen mit passendem Fanaufdruck ist alles dabei. In Ludwigslust kann man indes beim dortigen Motorsportclub einen XXL-Trabi mieten - 13,11 Meter lang.

Am Trabant macht Rüberg so schnell keiner etwas vor. Seit er Kind war schraubt er an dem ostdeutschen Volkswagen. Als sein Vater und Onkel zu DDR-Zeiten alte Schrott-Trabis wieder aufbauten, "da musste ich mit ran", erinnert sich Rüberg: Gebrauchte seien wegen der langen Wartezeiten auf einen Neuwagen oft sogar wertvoller gewesen als ein neuer Trabi. Und so kennt Rüberg den legendären Kugelporsche aus Zwickau aus dem Effeff. "Gemeinsam zu schrauben, das ist der Reiz", sagt er und opfert nahezu jede freie Minute dem Trabi. Klagen aus der Familie? "Nee, meine Frau kennt mich nicht anders", sagt der Anklamer. Seine beiden Kinder auch nicht. Wenn Rüberg den Blaumann anzieht und in die Trabi-Werkstatt geht, dann sind sie inzwischen längst mit dabei.

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