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Der langsame Tod der Glühlampe

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erstellt am 31.Aug.2012 | 10:09 Uhr

Schwerin | In der Lampen-Abteilung des Max-Bahr-Baumarktes in Schwerin ist es ruhig. "Hamsterkäufe hat es bei uns nicht gegeben", sagt Michaela Stövhase. Das sei vor drei Jahren, als mit der ersten Stufe des EU-weiten Glühlampen-Ausstiegs die 100-Watt-Lampen vom Markt genommen wurden, noch anders gewesen. "Inzwischen haben sich die Kunden damit abgefunden." Morgen erleben sie die vierte Stufe, die alle Glühlampen mit mehr als 10 Watt verbannt.

Abgefunden. Mehr ist es bei vielen Menschen nicht, denn die Sparlampe als Ersatz ist bei vielen Verbrauchern nach wie vor unbeliebt. Zu kaltes Licht. Zu teuer. Giftig durch das enthaltene Quecksilber. Schlecht für das Wohlbefinden wegen des höheren Blauanteils im Licht, wegen elektromagnetischer Strahlung und des Flimmerns. "Viele Argumente, die gegen die Energiesparlampe ins Feld geführt werden, sind nicht grundlegend verkehrt", räumt Horst-Ulrich Frank, Energieberater der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern, ein. Aber man müsse die Fakten richtig einordnen. Elektromagnetische Strahlung beispielsweise begegne den meisten Menschen im Haushalt an vielen Stellen - durch die Mikrowelle, das schnurlose Heimnetzwerk oder das Telefon. Nichtsdestotrotz gebe es natürlich Menschen, die auf diese und andere Begleiterscheinungen empfindlich reagieren, so Frank. Er rät: Abstand halten.

LED als Alternative ohne Quecksilber

Dass Quecksilber giftig ist, bestreitet auch niemand. "Die Konzentration in den Energiesparlampen ist jedoch sehr gering", sagt Dr. Franziska Krüger vom Umweltbundesamt (UBA). Seit diesem Jahr darf eine fabrikneue Lampe nur noch maximal 3,5 Milligramm enthalten. "In den Leuchtstoffröhren, die schon seit Jahrzehnten in fast allen Büros hängen, steckt meist viel mehr Quecksilber", so Dr. Krüger.

Eine Quecksilberbelastung durch Energiesparlampen entstehe im Haushalt zudem nur, wenn diese zerbrechen. Das sei ein einmaliges Ereignis und keine dauerhafte Einwirkung, so Franziska Krüger. Passiert das tatsächlich, sollten sich Verbraucher an die Handlungsanweisung des Umweltbundesamtes halten: Sofort mindestens 15 Minuten lang gründlich lüften, den Raum in dieser Zeit verlassen; dann die Bruchreste bei geöffnetem Fenster mit Handschuhen aufnehmen und mit feuchtem Tuch nachwischen (für kleinere Splitter auf Teppichboden wird Klebestreifen empfohlen); Bruchstücke in einen luftdicht verschließbaren Behälter legen und diesen zur Wertstoffsammlung bringen.

Eine Alternative sind Kompaktleuchtstofflampen, in denen das Quecksilber gebunden als Amalgam enthalten ist. So tritt es im Falle eines Bruchs in geringerer Menge aus. Halogenglühlampen und LEDs enthalten gar kein Quecksilber.

Das größere Quecksilber-Problem entsteht bei der Entsorgung der Leuchtstofflampen. Sie gehören in die Wertstoffsammlung, auch weil die enthaltenen Rohstoffe sehr gut verwertbar sind. Zwar werde das Netz der Sammelstellen stetig verdichtet, so Franziska Krüger, aber derzeit seien es erst rund 8000 in Deutschland.

Deutlich besser sind die Sparlampen in puncto Lichtfarbe und Farbwiedergabe geworden. "Da hatte die Industrie zu Anfang schlichtweg geschlampt", sagt Horst-Ulrich Frank. "Inzwischen gibt es Energiesparlampen in allen möglichen Formen und mit unterschiedlichem Lichtspektrum." Das reiche von tageslichtweiß bis zu extra-warmweiß, das dem Licht der Glühlampe sehr nahe komme. Auch bei Dimmbarkeit, Schaltfestigkeit, Anlaufzeit und Lebensdauer hat sich viel getan. Aber: "Die Qualitätsunterschiede sind groß. Das zeigen unsere Tests immer wieder", sagt Michael Koswig, Energieexperte von der Stiftung Warentest. Der Preis sei dabei kein Indiz für gute oder schlechte Qualität.

Das bestätigt auch der aktuelle Test, für den 20 Sparlampen in Kerzenform untersucht wurden. Die besten Ergebnisse erreichten dabei LED-Lampen, heißt es in der gestern erschienenen Ausgabe der Zeitschrift "Test" (09/2012). Sieger ist ein Modell von Osram für 18 Euro. Aber es gibt auch eine LED, die nur "ausreichend" ist, weil sie sich bei hohen Temperaturen selbst abschaltete. Eine andere bekommt ein "Mangelhaft", weil sie die angegebene Helligkeit nicht erreichte und flimmerte.

Den Angaben auf der Verpackung könne man in der Regel glauben, so Koswig. Aber es gebe auch Ausreißer. "Macht eine LED, die eigentlich 20 000 Stunden durchhalten soll, schon nach einem Jahr schlapp, sollte der Kunde sie reklamieren", sagt der Test-Experte. "Deshalb lohnt es sich, den Kassenzettel aufzubewahren." Das Gleiche gelte auch, wenn Lampen unangenehm riechen. In verschiedenen Untersuchungen war festgestellt worden, dass einige Modelle flüchtige organische Verbindungen (VOC) wie Phenol ausdünsten, bei dem nicht ausgeschlossen werden kann, dass es krebserregend ist. Ein akutes Gesundheitsrisiko sieht das Umweltbundesamt jedoch nicht. Im Vergleich zu anderen Quellen im Innenraum sei die VOC-Konzentration durch Kompaktleuchtstofflampen nur sehr gering, so das UBA.

Eine Lampenart für alle Fälle - diese Zeiten sind vorbei. "Der Kauf ist komplexer geworden", sagt Michael Koswig. Der Kunde müsse sich überlegen, welchen Zweck die Lampe erfüllen soll. "Brennt sie sehr häufig und lange, dann kann sich eine teurere LED lohnen", so der Experte. "Im Keller, wo das Licht nur zweimal in der Woche angeschaltet wird, nicht." Dort könnte man noch die alten Glühlampen aufbrauchen oder Halogenglühlampen nutzen. Die seien schaltfest, sofort hell und bringen eine Energieeinsparung von bis zu 30 Prozent. Doch nicht immer ist die Entscheidung so einfach. Wer eine dimmbare LED als Ersatz für eine 100-Watt-Glühlampe haben möchte, hat kaum Auswahl und muss mit mehr als 40 Euro viel Geld bezahlen. In diesem Fall bieten sich preiswertere Kompaktleuchtstofflampen an, die in der Energieeffizienz kaum schlechter sind.

Im Vergleich zur Glühlampe benötigen Kompaktleuchtstofflampen und LEDs 80 bis 90 Prozent weniger Energie. Schon mit dem Ersatz einer einzigen Glühbirne durch eine Energiesparlampe spart man laut Verbraucherzentrale nach einer Betriebsdauer von 10 000 Stunden knapp 115 Euro - den höheren Anschaffungspreis eingerechnet.

Der Glühlampenausstieg soll helfen, den Stromverbrauch durch Haushaltslampen in der EU um 39 Milliarden Kilowattstunden zu senken. "Das entspricht der Jahresleistung von etwa zehn Großkraftwerken", so UBA-Mitarbeiterin Krüger.

Ansatzpunkt ist gut - aber nicht der beste

Horst-Ulrich Frank ist trotzdem nicht zufrieden. Seiner Ansicht nach hätte die EU an ganz anderer Stelle ansetzen müssen - zum Beispiel beim hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen, der zwar vorgeschrieben ist, aber in den meisten Fällen nicht erfolgt. Zehn bis 15 Prozent Energie könnte ein Haushalt so einsparen. Die Beleuchtung mache dagegen nur ein bis 1,5 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus.

Sinnvoll sei das Glühlampen-Aus dennoch, so Frank. Schließlich wandele eine Glühlampe nur fünf Prozent der Energie in Licht um, 95 Prozent werden als Wärme abgestrahlt. "Das ist nicht vernünftig." Der Einspareffekt bei der Wärmeenergie, den Glühlampen-Verfechter gern anführen, sei minimal.

Wer trotz allem so lange wie möglich das Licht einer echten Glühlampe genießen möchte, bekommt sie auch nach dem 1. September noch zu kaufen. "Wir haben noch ein paar Glühlampen bis 40 Watt", sagt Michaela Stövhase vom Bahr-Baumarkt. "Diese Restbestände werden verkauft und dann ist Schluss." Im Internet zieht sich der Ausstieg länger hin. Dort kann man sogar noch 100-Watt-Glühlampen ordern.

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