Mindestlohn : Der Haarschnitt wird teurer

Wer zum Friseur will, muss künftig tiefer in die Tasche greifen.
Wer zum Friseur will, muss künftig tiefer in die Tasche greifen.

Seit einem Jahr gilt im Friseurhandwerk ein Mindestlohn, der nun stufenweise steigt und auch die Preise treibt

svz.de von
26. Juli 2014, 07:32 Uhr

6,50 Euro Stundenlohn sind nicht die Welt – und blieben dennoch lange für viele Friseurangestellte unerreichbar. Zum 1. August 2013 hatten sich Handwerk und die Gewerkschaft Verdi auf eine bundesweite Lohnuntergrenze geeinigt, die gerade im weitgehend tariffreien Osten zum neuen Mindestlohn werden soll. Ein Jahr später sprechen die Tarifpartner vor der nächsten Stufe von einem Erfolg, auch weil die Kosten über höhere Preise an die Kunden weitergegeben werden konnten.

Ob der Mindestlohn, der im Laufe des nächsten Jahres bundesweit auf 8,50 Euro steigt, in allen Betrieben tatsächlich gezahlt wird, ist nicht sicher. Verdi hörte bislang nur wenige Klagen der Beschäftigten und geht wie die Arbeitgeber davon aus, dass der Tarifvertrag im Großen und Ganzen eingehalten wird. Gedreht werde eher an der Arbeitszeit, über unbezahlte Überstunden. Verdi-Sprecher Volker Nüsse: „Es wird nicht so genau auf die Arbeitszeit geschaut.“

Mit der tariflichen Lösung ist die Branche der gesetzlichen Regelung zuvorgekommen, die aber mutmaßlich zum notwendigen Einigungsdruck beigetragen hat. „Wir wollten die dreijährige Übergangszeit und das unterschiedliche Tempo in Ost und West“, sagt der Geschäftsführer des Zentralverbands des Friseurhandwerks, Rainer Röhr. „Und wir waren es leid, immer in die Billigecke gestellt zu werden.“

Die Tarifpartner haben die Lohnuntergrenze mit hohen Erwartungen versehen. „Lohndumping hat im Friseurhandwerk keinen Platz. Ebensowenig wie Preisdumping. Denn Löhne und Preise sind im personal- und arbeitsintensiven Friseurhandwerk zwei Seiten einer Münze“, formulierte der Zentralverband nach der Einigung.

Zum Bild gehört auch, dass sich wegen der geringen Verdienstmöglichkeiten und des sinkenden Images immer weniger junge Menschen für eine Friseurlehre begeistern ließen. 2013 fingen nur noch 11 033 Lehrlinge an, 7,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die Preise für Haarschnitte und weitere Dienstleistungen sind in der Folge des Mindestlohns bereits deutlich gestiegen und werden weiter klettern. Ein Männer-Haarschnitt für unter 20 Euro sei künftig nicht mehr machbar, ließ sich Michael Klier von der gleichnamigen Friseur-Kette aus Wolfsburg in der Diskussion vernehmen.

Einer Analyse des Ifo-Instituts zufolge hat sich der Preisanstieg seit Mitte 2013 kräftig verschärft und betrug zu Jahresbeginn 4,5 Prozent – deutlich über der allgemeinen Preissteigerungsrate von derzeit gut 1 Prozent. Die Preise scheinen derzeit gut durchsetzbar: Die gute Beschäftigungslage und die wachsende Kaufkraft lässt die Friseure auf weiter steigende Umsätze hoffen.

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