Der EM-Funke ist auf Usedom übergesprungen

<strong>Partystimmung unter den Zuschauern </strong>am Strand: Auch die Einschaltquoten stimmen.
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Partystimmung unter den Zuschauern am Strand: Auch die Einschaltquoten stimmen.

svz.de von
20. Juni 2012, 09:55 Uhr

Usedom | Seit etwas mehr als einer Woche sind die Blicke der Fußballfans nicht nur auf die Uefa-Euro-2012-Gastgeberländer Polen und Ukraine gerichtet, sondern auch auf die Insel Usedom. Denn von hier sendet das ZDF seine Vorberichte und Analysen, moderiert von Katrin Müller-Hohenstein und fachmännisch kommentiert von Torwart-Titan Oliver Kahn. Das alles kommt live vom ZDF-Fußballstrand, den der Mainzer Sender direkt neben der Heringsdorfer Seebrücke aus dem Sand stampfte.

Für Usedom ist das Engagement des Mainzer Senders ein Glücksfall, denn eine solche Medienpräsenz wie während der dreiwöchigen Fußball-EM wird es für die Ostsee-Insel so schnell nicht mehr geben. Dass die Übertragungen ihre Wirkung nicht verfehlen, machen Zahlen ebenso deutlich wie die Reaktionen in den Tourismusbüros.

So hat Susanne Gahr, Pressesprecherin der Usedom Tourismus GmbH (UTG), am ersten Sendetag des ZDF eine Verdreifachung der Klicks auf www.usedom.de festgestellt und auch die Webseite der drei Kaiserbäder sei doppelt so oft besucht worden wie sonst. Zwar habe sich die Fußball-EM im Vorfeld überhaupt nicht auf die Buchungen im Juni ausgewirkt, jedoch registrierten derzeit die Hoteliers eine verstärkte kurzfristige Nachfrage nach Zimmern mit Tickets für den Fußballstrand.

Auch die Polizei kann Zahlen liefern. "Seit dem 8. Juni hatten wir knapp 80 000 Besucher am Fußballstrand und auf der Fan-Promenade in Heringsdorf", berichtete am Montag Polizeisprecher Axel Falkenberg. Die ersten 18 Spiele seien von 16 000 Zuschauern live am Strand verfolgt worden, also im Schnitt von ca. 900 Fußballfans. "Sieben Spiele waren komplett ausverkauft, zwei so gut wie", so Falkenberg weiter. Allein am Sonntag, so die Polizeischätzung, hätten sich gut 9000 Menschen über die Fan-Promenade bewegt.

Nach dem dritten Sieg der deutschen Mannschaft im dritten Gruppenspiel gegen Dänemark habe "überall Feierlaune" geherrscht, so der Pressesprecher. Dabei sei es "absolut ruhig" gewesen und es seien auch keine Pyros gezündet worden.

Während die Verantwortlichen vor Ort sehr zufrieden mit der ersten Sendewoche des ZDF sind, hagelte es in etlichen überregionalen Medien Kritik und Häme gegenüber dem ZDF und dem Fußballstrand auf Usedom. Dabei entlarvten sich viele Kollegen der schreibenden Zunft mit ihren Beschreibungen selbst. Da warten sie beim Anblick der Ostsee auf Ebbe und Flut, ist die Rede von Kreuzfahrtschiffen, die in Wirklichkeit Ausflugsschiffe einer lokalen Reederei sind. Die Bühne am Ostseestrand wird verächtlich als Ufo bezeichnet oder als Bohrplattform und Usedom vom "Stern" zum "Rentnerparadies" abgestempelt.

Das Zweite ist solche Medienschelten gewohnt, schließlich scheint es Kritiker immer und überall zu geben. Für ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz ist die Wahl des Sendeortes am Heringsdorfer Strand jedenfalls die richtige Entscheidung gewesen. "Spätestens mit dem Spiel Deutschland-Niederlande stellte sich auch die gute EM-Stimmung am ZDF-Fußballstrand ein", sagte er gegenüber unserer Zeitung. Außerdem stimmten die Einschaltquoten. "Im Schnitt verfolgten 27 Millionen Zuschauer die Partie Deutschland-Niederlande." Selbst die Nachberichterstattung von Usedom hätten noch über elf Millionen Zuschauer gesehen, so Gruschwitz.

Dazu ließ die ZDF-Frontfrau Katrin Müller-Hohenstein wissen, dass die Bühne am Strand mit der Heringsdorfer Seebrücke als Kulisse "der schönste Set" sei, "den ich je hatte". Ihr macht die Arbeit am Strand Spaß, selbst wenn wie am Montagabend ein Gewitter über die Seebühne rauschte und die Anmoderation im improvisierten Studio auf der Seebrücke erfolgen musste. Trotz des ersten Regens blieb danach kein Stuhl und kein Strandkorb mehr in der Strandarena frei.

Auch Susanne Gahr von der UTG kann die "ungerechte Kritik" am ZDF nicht verstehen. Sie ist begeistert da rüber, wie Usedom im Fernsehen rüber kommt. Von der "Rentnerkritik" will sie nichts wissen. Natürlich sei kurz vor Schulferienbeginn ein eher älteres Publikum auf der Insel, jedoch hätten die Bilder vom Fußballstrand gezeigt, dass dort bisher Alt und Jung mit großer Begeisterung dabei waren.

Heringsdorfs neuer Bürgermeister Lars Petersen freut sich ebenfalls über "tolle Veranstaltungen des ZDF und ein verdammt friedliches Event". "Die Stimmung ist ein Traum und der Effekt einmalig", so Petersen weiter. Mit Blick auf die kommenden K.o.-Spiele steigt seine Vorfreude: "Wir bekommen noch schöne Veranstaltungen hierher". Denn außer Fußball sendet das Zweite am kommenden Samstag die Kochsendung "Lafer! Lichter! Lecker!" und am Sonntag den "Fernsehgarten" sowie am 30. Juni "das aktuelle sportstudio" vom Fußballstrand. Für Usedom ist das ein Sommermärchen.

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