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Der Aufschrei wäre lauter als damals

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erstellt am 22.Aug.2012 | 07:31 Uhr

Rostock | Zwanzig Jahre nach den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen ist der langjährige Geschäftsführer des vietnamesischen Vereins Dien Hong, Michael Hugo, davon überzeugt, dass Angriffe dieser Art heute nicht mehr geduldet würden. "Die Menschen haben sich geändert, auch wenn Rassismus latent vorhanden ist. Ausländer haben ihren Exotenstatus verloren, auch in einer Stadt wie Rostock", sagte Hugo. Bei einer so geballten Attacke auf eine Personengruppe wäre der Aufschrei heute "lauter als damals". Außerdem habe die Politik dazugelernt. "Eine Stimmung der Solidarität und vor allem eine offene Kommunikation haben 1992 gefehlt", sagt Hugo, der für sein soziales Engagement für Migranten die Bundesverdienstmedaille erhielt.

Nach den Anschlägen in Rostock-Lichtenhagen 1992 war ausgerechnet jene Gruppe auf die Rostocker zugegangen, die unter den Brandsätzen am meisten gelitten hat: die vietnamesische Gemeinschaft. "Sie wollten den Kontakt zur Bevölkerung suchen und haben dafür den Verein ,Dien Hong - Gemeinsam unter einem Dach gegründet’", sagte Hugo. "Die Mitglieder waren eine gute Mischung aus Deutschen und Vietnamesen, auch jenen, die in den Brandnächten über das Dach des Hochhauses fliehen mussten."

Neun Jahre lang leitete Hugo den Verein. Dieser habe "viel bewegt, auch für die Vietnamesen selbst". So sei das vietnamesische Neujahrsfest immer größer und öffentlicher gefeiert worden. Es wurden ein Jugendtreff und eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, bis 2000 noch unter dem Dach des Sonnenblumenhauses. Bei seiner Zusammenarbeit mit den Vietnamesen habe er vor allem ihre "angenehme Zurückhaltung" und ihr starkes Selbstbewusstsein zu schätzen gelernt, so Hugo. "Ihr Motto war: Die Ereignisse von 1992 kann niemand ungeschehen machen, aber aus etwas Schlechtem kann auch etwas Gutes entstehen."

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