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Der Attentäter kam mit dem Flugzeug

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erstellt am 24.Jan.2011 | 08:02 Uhr

Moskau | Der Tod kam am Nachmittag: Hunderte von Menschen warteten im Ankunftsbereich des Moskauer Flughafens Domodedowo auf Freunde und Angehörige. Doch die Wiedersehensfreude wurde jäh beendet. Um 16.32 Uhr ließ ein lauter Knall die Passagiere im Ankunftsbereich zusammenschrecken. Trümmer, Rauch, Chaos: Schon die ersten Bilder nach dem blutigen Anschlag lassen das verheerende Ausmaß des Terroranschlags erahnen. Dutzende Leichen liegen im Ankunftsbereich. Helfer laufen mit Tragen, um Verletzte zu bergen, Verletzte mit blutigen Gesichter, Fleischwunden sind zu sehen. Auf einem von einem Augenzeugen aufgenommenen Video war zu erkennen, wie Retter in dichtem Rauch nach Überlebenden suchten. In der Halle habe Brandgeruch gelegen, berichteten Augenzeugen, die mit einem Zubringer-Express in das Moskauer Stadtzentrum gebracht wurden. Der Flughafen Domodedowo liegt 20 Kilometer südöstlich von Moskau. "Ich war gerade aus Wien gelandet, da hörte ich einen mächtigen Knall", erzählt Waleri Lawrow. "Ich fürchte, es sind viel mehr als 30 Tote...", schildert er. Dann erste Gewissheit: Nach Angaben von Jelena Galawanowa, Pressesprecherin des Flughafens, gab es bei dem Anschlag 35 Tote und 46 Verletzte. Von anderen offiziellen Stellen war eine Zahl von 130 Verletzten genannt worden. Unter den Opfern seien auch mindestens drei EU-Bürger, hieß es.

Später finden Ermittler die Leiche des mutmaßlichen Attentäters. Es handele sich um einen Mann im Alter zwischen 30 und 35 Jahren mit "arabischem Aussehen", sagte ein namentlich nicht genannter Ermittler der Nachrichtenagentur Interfax.

Sieben-Kilo-Bombe mit Metallsplittern

Kurze Zeit nach der Explosion nahmen Ermittler des russischen Sicherheitskomitees ihre Untersuchungen auf. Die Internetzeitung gazeta.ru zitiert einen Vertreter des russischen Katastrophenschutzministeriums, nach dem sich die Explosion in der Halle ereignet, wo die ankommenden Passagiere ihre Gepäck von den Laufbändern heben. Ein Selbstmordattentäter, offenbar ein ankommender Passagier, habe die Bombe noch vor der Zollkontrolle gezündet, hieß es unter Berufung auf eine Quelle "aus dem Flughafen".

Auch zwei Stunden nach der Explosion gab es verschiedene Meldungen darüber, wo sich die Explosion genau ereignete. Die Bombe sei von einem oder mehreren Selbstmordattentätern gezündet worden, die sich schon auf dem Flughafen befanden, meldete der Fernsehsender Pervi Kanal.

Über die Flugzeuge, die eineinhalb Stunden vor der Explosion landeten, gab es unterschiedliche Angaben. Es soll sich um Flugzeuge aus Kairo, Tokio, Düsseldorf und Odessa gehandelt haben. Bei der Bombe, die explodierte handelte es sich nach offizieller Mitteilung um eine sieben-Kilogramm-Bombe mit verletzungsverstärkenden Metallsplittern.

Präsident ordnet zusätzliche Kontrollen an

Der Flughafen Domodedewo ist einer der drei großen Moskauer internationalen Flughäfen. Er war erst wor wenigen Jahren modernisiert worden. Wie die Pressesprecherin des Flughafens mitteilte, lief der Flugbetrieb am frühen Abend bereits wieder normal. Der Saal der Explosion sei mit einer Plastikplane abgesperrt worden. Nur bei den ankommenden Flügen habe es Verspätungen gegeben. Nachrichtenagenturen berichteten, dass Flüge auf die beiden anderen Moskauer Großflughäfen und die Flughäfen Nowgorod und St. Petersburg umgeleitet wurden.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew traf sich zu einer Beratung mit dem Verkehrsminister, dem Leiter des Zentralen Ermittlungskomitees und dem Generalstaatsanwalt. Medwedew erklärte, wahrscheinlich handele es sich um einen Terroranschlag. Es werde alles getan um den Verletzten die nötige medizinische Hilfe zukommen zu lassen. Den Angehörigen der Toten drückte der Präsident sein tiefes Beileid aus. Der russische Präsident ordnete an, die Kontrollen auf allen Flughäfen und allen großen Verkehrsknotenpunkten zu verschärfen. Bei den Ermittlungsarbeiten im Flughafen Domodedowo solle zudem überprüft werden, ob alle Sicherheitsbestimmungen eingehalten wurden.

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