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Attentat auf eine US-Abgeordnete mit sechs Toten : Demokraten im Visier

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Schock, Entsetzen, Ungläubigkeit. Das sind die Reaktionen in den USA, die dem Attentat auf die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords (40) am Sonnabend in Tucson (Bundesstaat Arizona) folgten.

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erstellt am 09.Jan.2011 | 06:26 Uhr

Tucson/Washington | Schock, Entsetzen, Ungläubigkeit. Und immer wieder die Frage: Haben möglicherweise das politische Klima im Land und die heftigen Grabenkämpfe in Washington zur Tat beigetragen? Das sind die Reaktionen in den USA, die dem Attentat auf die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords (40) am Sonnabend in Tucson (Bundesstaat Arizona) folgten. Ein Verbrechen, bei dem die Parlamentarierin durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verwundet und sechs Menschen - darunter auch der Bundesrichter John Roll - getötet wurden. Der Anschlag während der morgendlichen Bürgersprechstunde von Giffords vor einem Supermarkt ließ zwölf weitere Menschen verletzt zurück. Der Täter, der 22-jährige Jared Loughner, wurde von zwei beherzt eingreifenden Männern überwältigt, die damit Schlimmeres verhinderten.

Als "Tragödie für das ganze Land" bezeichnete US-Präsident Barack Obama das Attentat auf die ihm politisch nahe stehende Abgeordnete und persönliche Freundin, die vor allem sein Bemühen um die umstrittene Gesundheitsreform unterstützt und soeben ihre dritte Amtszeit angetreten hatte. Vor allem die konservative Politikerin Sarah Palin hatte darauf mit massiver Kritik reagiert und auf ihrer Facebook-Seite eine Landkarte der USA veröffentlicht, auf der bei insgesamt 20 demokratischen Wahlbezirken das Fadenkreuz eines Gewehr-Zielfernrohrs eingeblendet war - darunter auf den Bezirk von Giffords.

Palin bezeichnete dabei die Abwahl der Demokratin als eines der wichtigsten "Ziele" für die Kongress-Zwischenwahlen, doch die mit dem "Space Shuttle"-Piloten Mark Kelly verheiratete Giffords konnte ihr Mandat knapp verteidigen. Allerdings schien die Abgeordnete bereits böse Vorahnungen über mögliche Folgen der Palin-Kampagne zu haben: "Wir sind auf Palins Ziel-Liste", sagte sie im März 2010, "und wer so das Fadenkreuz eines Gewehrs platziert, muss sich klar sein, dass es Konsequenzen gibt."

Die Facebook-Seite Palins war kurz nach dem Attentat plötzlich nicht mehr abrufbar, und Palin sprach den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Der republikanische Gegenkandidat von Giffords, Jesse Kelly, hatte im November bei einem Wahlkampf-Auftritt noch um Bürgerinteresse mit dem Hinweis geworben, diese könnten bei seiner Veranstaltung ein M 16-Gewehr abfeuern. Nach einer Notoperation äußerten sich Chirurgen vorsichtig optimistisch über die Heilungschancen der Parlamentarierin. Zu den Motiven des Attentäters, den der zuständige Sheriff Clarence Dupnik als "mental instabil" bezeichnete, gibt es bisher keine eindeutigen Erkenntnisse. Für den Vater der Abgeordneten stehen die Schuldigen an der Tragödie aber längst fest. Auf die Frage eines Reporters, ob seine Tochter Feinde habe, antwortete dieser: "Die gesamte Tea Party".

Wieder Mini-Briefbombe entdeckt

In Washington hat erneut eine an die Regierung adressierte Mini-Briefbombe für Erschrecken gesorgt. Ein Angestellter einer Postverteilungsstelle habe die Sendung entdeckt. Es habe eine Stichflamme und Rauch gegeben, es sei aber niemand verletzt worden, sagte die Polizeichefin der Stadt, Cathy Lanier, am Freitag. Der Brief sei an Heimatschutzministerin Janet Napolitano gerichtet gewesen. Es gebe Ähnlichkeiten mit zwei Vorfällen vom Donnerstag. Die Behörden vermuten einen verärgerten Bürger hinter der Tat. Dieser hat sich angeblich über Schilder geärgert, die Autofahrer dazu aufrufen, Auffälliges den Behörden zu melden.

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