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Mecklenburg-Vorpommern : DDR-Heimkinder: Antragsfrist endet

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ansprüche bis 30. September anmelden / Schon 3000 Anträge in MV eingegangen

svz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 08:06 Uhr

In einer Woche ist es schon zu spät: Nur noch bis zum 30. September können Leistungen aus dem Fonds für ehemalige DDR-Heimkinder beantragt werden.

Etwa 50 0 000 Kinder und Jugendliche haben zwischen 1949 und 1990 in der DDR in Heimen gelebt. Viele von ihnen fanden dort ein zweites Zuhause – Mädchen und Jungen, deren Heimeinweisung politisch motiviert war, allerdings fast nie. „Der Fonds ist für die etwa 135 000 Kinder und Jugendlichen gedacht, die in Spezialheimen und Jugendwerkhöfen untergebracht wurden und heute noch unter den Folgen leiden“, erläutert die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher. Sie seien zuvor auf ganz unterschiedliche Weise als nicht systemkonform aufgefallen, erläutert sie – als Schulschwänzer, Kleinkriminelle, mit kritischen politischen Äußerungen, mit Fluchtversuchen… „Für sie alle hatte dieser Staat nur eine einzige Therapieform: die Einweisung in die Spezialeinrichtungen.“

An den körperlichen und seelischen Folgen tragen viele ehemalige Heimkinder und Jugendwerkhof-Insassen bis heute. Der Fonds soll ihnen helfen, das Erlebte aufzuarbeiten und zu bewältigen. Betroffene, die durch andere Hilfe- und Versicherungssystheme nicht unterstützt werden, können bis zu 10 000 Euro aus dem Fonds erhalten. Jedem werde ganz individuell geholfen, betont Anne Drescher. Manchem nütze die Vermittlung in eine berufliche Weiterbildung, manchem der Zuschuss zu einem Famlienurlaub oder zur Anschaffung eines Gartens. Auch Mobilitätshilfen oder der Ausgleich verminderter Rentenansprüche seien denkbar.

Seit ihrer Eröffnung im Juli 2012 sind in der Anlauf- und Beratungsstelle „Heimerziehung in der DDR“ bei der Landesbeauftragten rund 3000 Anträge auf Leistungen aus dem Fonds eingegangen. „Etwa 700 Betroffene haben bereits Leistungen bekommen“, so Anne Drescher. Um die Frist bis zum 30. September zu wahren, reiche eine kurze Meldung mit Grundangaben zur Person, betont die Landesbeauftragte.

Der Fonds war ursprünglich mit einem Volumen von 40 Milionen Euro für alle neuen Bundesländer gestartet. Erst vor wenigen Wochen war er noch einmal um 25 Millionen Euro aufgestockt werden. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit knapp 3,9 Millionen Euro. Wieviel Geld tatsächlich erforderlich sein wird, stellt sich Anne Drescher zufolge erst nach Antragsschluss heraus. Schätzungen zufolge können es bis zu 200 Millionen Euro werden.

Anlauf- und Beratungsstelle „Heimerziehung in der DDR“,

Bleicherufer 7, 19053 Schwerin,

Tel: 0385 / 557 1661, E-Mail: heimerziehung@lstu.mv-regierung.de


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