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Denkmalgeschütztes Herrenhaus gerettet : Das Wunder von Pinnow

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250 Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern sind vom Zerfall bedroht. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurde jetzt ein denkmalgeschütztes Schloss kurz vorm Untergang gerettet - Das Herrenhaus in Pinnow bei Waren.

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2013 | 09:34 Uhr

Waren | Kaputte Fenster, ein undichtes Dach, marode Balken. Nur eine Frage der Zeit, dann wäre das einzigartige denkmalgeschützte Herrenhaus in Pinnow (Mecklenbugische Seenplatte) in sich zusammengefallen. Einst von Gutsbesitzer Friedrich von Klinggräff von 1862 bis 1869 im neugotischen Stil errichtet, stand das Schloss die letzten Jahre leer.

Noch im Oktober 2012 hatte das Landesamt für Denkmalpflege festgestellt, dass der Bau aufgrund seines Zustandes "keine Nutzungs- und damit Erhaltungsperspektive" hat. Letzter Gnadenakt: Das Herrenhaus wurde noch einmal vom Landesamt zum "Denkmal des Monats" gekürt.

Dann kam das Wunder von Pinnow. Ein Anklamer Immobilienbüro fand eine Familie in München, die das Herrenhaus von der Gemeinde kaufte. Anfang Dezember wurde der Kaufvertrag unterschrieben.

"Inzwischen ist das Dach dicht und ein einsturzgefährdeter Treppenturm gesichert", berichtete Cornelia Stoll, Inhaberin des Maklerbüros, gegenüber unserer Redaktion.

Die neue Eigentümerfamilie aus München will das Herrenhaus mit etwa 1000 Quadratmetern Wohnfläche und 40 000 Quadratmetern Grundstück privat als Wohnhaus und Büro, sowie zur Unterbringung einer Bibliothek nutzen. Die Außenanlage besteht aus einem kleinen See mit Insel und einem Park mit mehreren stattlichen Bäumen.

"Einen Architekten haben wir bereits gefunden. Für die Komplettsanierung des Herrenhauses werden fünf Jahre veranschlagt", sagte Frau Stoll. Mit ihrem Büro für historische Immobilien hat sie sich auf die Vermittlung von Schlössern und Gutshäusern in Mecklenburg-Vorpommern spezialisiert. Allein im vergangenen Jahr hat die Unternehmerin Investoren für fünf einst herrschaftliche Anwesen gefunden.

Trotzdem ist das kulturhistorisch wertvolle Ensembles von Schlössern, Gutshäusern und -parks in Mecklenburg-Vorpommern stark gefährdet. Von den 1012 denkmalgeschützten Herrenhäusern im Land sind 250 vom Verfall bedroht.

In Divitz bei Barth an der Ostsee zerfällt eine Wasserburg, die zu den bedeutensten Wasserburgen im gesamten norddeutschen Raum zählt. Das Gutshaus Grellenberg bei Grimmen konnte nicht mehr gerettet werden. Das Wasserschloss Gnemern (Landkreis Rostock) steht seit dem Mittelalter - aber in seinem heutigen Zustand wohl nicht mehr lange.

"Wir brauchen neue Ideen und Konzepte sowie ein stärkeres Engagement des Landes", sagte der Vorsitzende der Landesstiftung Herrenhäuser und Gutsanlagen, Thomas Oyen. Dieses Wochenende treffen sich mehr als 100 Besitzer, Interessenten und Fachleute zu einer Tagung an der Europäischen Akademie in Waren. Sie wollen Chancen und Probleme der oft denkmalgeschützten Gebäude- und Parkensemb les beraten.

Es gibt gerade in der letzten Zeit positive Beispiele. Zuletzt waren Gutshäuser und -anlagen in Ivenack und Helpt (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) sowie in Viet gest (Landkreis Rostock) verkauft worden.

"Interessenten gibt es viele, doch das Problem ist, dass wenige ein tragfähiges Nutzungskonzept vorweisen können", sagte Cornelia Stoll. Immerhin haben solche Häuser Flächen von 2000 Quadratmetern und mehr. Hinzu kommt, dass auch die Banken zurückhaltend reagieren, wenn keine wirtschaftlichen Konzepte vorliegen. Das Land gibt nur dann Fördermittel, wenn der Eigentümer einen Eigenanteil in der Regel von 50 Prozent beibringen kann.

Nicht selten haben die Schlösser in der Vergangenheit auch unseriöse Glücksritter angelockt. Geschäftsleute kauften sogar mehrere Herrenhäuser, die schon für 50 000 Euro zu haben waren, investierten dann aber nicht.

Die Nutzungskonzepte mit Erfolg sind unterschiedlich. Das Herrenhaus in Teschow bei Teterow wurde ein Golfhotel. Gastronomie und Ausstellungen bietet das Wasserschloss Mellenthin auf Usedom an. In Ferdinandshof in Vorpommern entstanden Seniorenwohnungen auf dem Gutsgelände. Im Gutshaus solle ein Gemeindetreff eingerichtet werden.

Zu den Herrenhäusern die Cornelia Stoll vermittelt hat, gehört auch das Schloss Wrangelsburg (Landkreis Vorpommern-Greifswald), das ein schwedischer Feldherr einst aufbaute, und das zu DDR-Zeiten ein Kinderheim war. Das Angebot lag bei 120000 Euro. Ein Unternehmen hat das Schloss für einen neuen Firmensitz gekauft.

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