Ausgezeichnet : Courage-Preis an Güstrowerin

Ausgezeichnet: Karen Larisch
Ausgezeichnet: Karen Larisch

Karen Larisch erhält den Stelling-Preis / Müntefering Festredner

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17. Juni 2015, 20:00 Uhr

Es war sichtlich ein bewegender Moment für die Geehrten: Wenn der frühere Vize-Kanzler Franz Müntefering, der vielen als „letzter authentischer Sozialdemokrat alter Schule“ gilt, die Festrede hält, ist das schon besonders.

Festlich verliehen hat gestern Abend die SPD-Landtagsfraktion zum 10. Mal den von ihr gestifteten Johannes-Stelling-Preis. Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung ging an die Güstrowerin Karen Larisch. In der Begründung der Jury heißt es: „In der von der rechtsextremistischen Siedlungsbewegung besonders betroffenen Gegend rund um Güstrow ist die klare Haltung von Karen Larisch gegen die Neonazis beispielhaft.“ Die von ihr weitgehend koordinierte Unterstützungsarbeit für Flüchtlinge gehe einher mit langjähriger Familienarbeit für sozial benachteiligte einheimische Kinder, Jugendliche und Familien. „In ihrem Engagement lässt sie sich nicht beirren, auch wenn sie und ihre Familie schon mehrfach selbst Zielscheibe von Aktionen der Kameradschaften und NPD-Politikern wurde.“ Zeitweise lebte die Familie bereits unter Polizeischutz. Ministerpräsident Erwin Sellering betonte als Laudator: „Der Rechtsstaat darf niemals zulassen, dass diejenigen, die mit bewundernswerter Zivilcourage für ihn eintreten und gegen seine rechtsextremen Feinde verteidigen, selbst zum Ziel persönlicher Angriffe werden. “

SPD-Landtagsfraktionchef Norbert Nieszery würdigte den Einsatz vieler Menschen für Demokratie und Toleranz als Gegenpart zur „NPD-unterwanderten MVgida-Bewegung“ und diversen Aktivitäten von Kameradschaften und rechtsextremen Subkulturen. „In unerträglicher Weise wird dort gegen Flüchtlinge gehetzt und demokratische Institutionen diffamiert.“ Ehrengast Franz Müntefering nannte bürgerschaftliches Engagement und Solidarität mit Flüchtlingen und Schwachen eine Bedingung „für eine lebens- und liebenswerte Gesellschaft“.

Zwei weitere Nominierte erhielten Ehrenpreise: Lalendorfs (Landkreis Rostock) ehrenamtlicher Bürgermeister Reinhard Knaack, der sich 2010 weigerte, eine Ehrenurkunde des Bundespräsidenten an eine Nazi-Familie zu überreichen, wurde als „Motor“ zahlreicher zivilgesellschaftlicher Projekte gewürdigt, die maßgeblich dafür gesorgt hätten, dass freiheitlich-demokratische Netzwerke entstanden und sich die rechte Szene zurückziehen musste. Das „Netzwerk Neue Nachbarn“ aus Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) erhielt den Ehrenpreis für seine Flüchtlings-Integration, die „landesweit beispielgebend für gelebte Hilfsbereitschaft und eine Willkommenskultur vor Ort“ sei. Das Netzwerk hatte sich spontan auf einer Einwohnerversammlung zur Aufnahme von Asylbewerbern gegründet und bietet seither viele Hilfen an.

Der Stelling-Preis erinnert an den SPD-Ministerpräsidenten des Freistaats Mecklenburg-Schwerin (1921-24) und Reichstagsabgeordneten, der wegen seiner entschiedenen Haltung gegen die Nazi-Diktatur 1933 von SA-Schlägern brutal ermordet wurde.

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