Frühkindliche Bildungssysteme : Bundesweit größte Kita-Gruppen in MV

 
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Bertelsmann Stiftung kritisiert Betreuungs-Relation / Ministerium: Studie ohne Wert

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24. August 2015, 21:00 Uhr

In keinem anderen Bundesland müssen sich Erzieher in Kindertagesstätten um so viele Mädchen und Jungen kümmern wie in Mecklenburg-Vorpommern. Dem gestern von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichten Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme zufolge kommen hier auf eine Fachkraft durchschnittlich 14,4 Kindergartenkinder. Dies sei die bundesweit schlechteste Betreuungs-Relation in ganz Deutschland, so die Stiftung mit Sitz in Gütersloh. Etwas besser sehe es im Krippenbereich aus, wo MV mit einem Betreuungsverhältnis von 1:6 leicht über dem Durchschnitt der ostdeutschen Bundesländer (1:6,1) liegt.

Das tatsächliche Betreuungsverhältnis falle allerdings noch schlechter aus, weil Erzieherinnen und Erzieher mindestens ein Viertel ihrer Arbeitszeit für Team- und Elterngespräche, Fortbildungen und Dokumentation aufwenden müssten. In MV würden deshalb im Kita-Alltag sogar mindestens 8 unter Dreijährige und mindestens 19,3 Kinder über drei Jahren von einer Erzieherin betreut, hieß es.

Zwar gab es dem Ländermonitor zufolge leichte Verbesserungen – vor zwei Jahren war eine Erzieherin durchschnittlich für 6,1 Krippen oder 14,7 Kindergartenkinder zuständig. MV bleibe aber immer noch weit davon entfernt, die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung für ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis zu erreichen. Danach sollte in der Krippe eine Erzieherin für drei, im Kindergartenbereich maximal für 7,5 Mädchen und Jungen zuständig sein. Baden-Württemberg und Bremen kämen diesen Empfehlungen am nächsten, so die Stiftung.

Dem Schweriner Sozialministerium zufolge zielt die Studie indes an der Lebenswirklichkeit vorbei. „Nur die Anzahl des Personals in Kindertagesstätten zu vergleichen, ohne deren fachliche Qualifikation abzubilden, ist unredlich“, kritisierte Staatssekretär Nikolaus Voss. Während hierzulande über 95 Prozent der Beschäftigten in Kitas über einen Fach- oder Hochschulabschluss verfügten, seien es in Bayern weniger als 55 Prozent. In anderen Bundesländern würden zudem auch Servicekräfte, Praktikanten und Auszubildende in die Statistik einfließen, hier dagegen nur Fachkräfte. Das entziehe der Studie jeglichen Wert, so Voss. Mecklenburg-Vorpommern werde deshalb, ähnlich wie es Sachsen-Anhalt bereits getan hat, die weitere Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung überprüfen.

Die Linke im Landtag und die Gewerkschaft GEW forderten indessen eine weitere Absenkung der Betreuungsrelation. Beide mahnten zudem eine realitätsnahe Ausbildungsplatzplanung für Erzieher an.
 

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