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Bundeswehr überfordert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In 16 Auslandseinsätzen steckt die Bundeswehr jetzt schon / Ein besonders schwieriger kommt nun hinzu /Drei werden ausgeweitet

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Bis zu 1200 deutsche Soldaten sollen die Luftangriffe gegen die Terrororganisation Islamischer Staat unterstützen. Zusätzlich werden die Bundeswehreinsätze in Afghanistan, Mali und im Irak ausgeweitet. Der Bundeswehrverband fordert deshalb eine Aufstockung der Truppenstärke um 5000 bis 10    000 Soldaten. Ist die Bundeswehr in ihrem jetzigen Zustand etwa untauglich für ihre neuen Aufgaben? Eine Musterung.

Wieviele Soldaten werden zusätzlich in Einsätze geschickt?
Für die sechs „Tornados“, das Tankflugzeug und die Fregatte für den Kampf gegen den IS werden bis zu 1200 Soldaten benötigt. Zudem sollen bis zu 820 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan, in den Irak und ins westafrikanische Mali geschickt werden. Macht zusammen also gut 2000. Gleichzeitig werden aber bis Ende Januar die 300 Soldaten aus der Türkei abgezogen, die den Nato Partner mit „Patriot“-Abwehrraketen vor Angriffen aus Syrien geschützt haben.

wieviele Soldaten sind schon im Ausland?
Wegen des Abzugs aus Afghanistan sank die Zahl der im Ausland eingesetzten Soldaten in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit den 90er Jahren. Derzeit sind 3120 Soldaten in 16 Einsätzen, künftig werden es also an die 5000 sein. Das sind dann aber immer noch nicht einmal halb so viele wie zu Hochzeiten, als die Bundeswehr auf dem Balkan und in Afghanistan gleichzeitig engagiert war. 2002 nahmen 10 400 deutsche Soldaten an Auslandseinsätzen teil.

Warum beklagt sich denn dann der Bundeswehrverband? Die größte Belastung sind für die Bundeswehr derzeit nicht die Auslandseinsätze, sondern die Flüchtlingshilfe im Inland, für die 7500 Soldaten gebraucht werden. Hinzu kommen Nato-Verpflichtungen. Deutschland ist in diesem Jahr mit 4600 Soldaten an der schnellen Eingreiftruppe des Bündnisses beteiligt, deutsche „Eurofighter“ überwachen den Luftraum über dem Baltikum und deutsche Schiffe sind in Nato-Marineverbänden unterwegs. Für einen EU-Einsatzverband sollen ab dem zweiten Halbjahr 2016 rund 2000 Soldaten bereitgestellt werden. 20    500 Soldaten haben„besondere Aufgaben“.

Ist die Forderung nach mehr Soldaten durchsetzbar?
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat die Vergrößerung selbst ins Gespräch gebracht: „Mir ist schon klar, dass, wenn die Welt weiter so hohe Anforderungen an uns stellt, wir auch im Personalkörper sicherlich die Offenheit haben müssen, auch da nachzusteuern“, sagte die CDU-Politikerin. Bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier vom Koalitionspartner SPD kam das nicht gut an. Im Kabinett gebe es keine Diskussion über eine Vergrößerung der Bundeswehr, betonte er.

Was wird getan?

117 Maßnahmen wurden eingeleitet und 5,6 Milliarden Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren für die Mängelbeseitigung veranschlagt. Mit spürbaren Verbesserungen rechnet das Ministerium aber erst ab 2017.

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