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Bulldogge attackiert Siebenjährige

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erstellt am 19.Mai.2010 | 07:47 Uhr

Warin | Schock in Warin: Ein Hund verletzt die siebenjährige Michelle schwer. Er reißt sie um und beißt sich im Kopf fest. Mehrere Stunden müssen Ärzte Michelle in der Rostocker Uni-Klinik operieren. Dann gestern die Meldung: Sie sei gerettet. "Das Mädchen ist nach unseren Informationen außer Lebensgefahr", sagt Niels Borgmann, Sprecher der Polizeidirektion Schwerin. Gestern sollte sie nochmals operiert werden.

Dienstagabend in der Kleingartenanlage "Schrebereck" in Warin: Zwischen 18.30 und 19 Uhr sei Michelle mit dem Schäferhund spazieren gegangen, erklärt Friederich Ziebell, dem der Kleingarten gehört, wo sich der Vorfall ereignete. "Plötzlich habe ich sie schreien gehört und bin raus." Er wischt sich Tränen aus den Augen.

Der Attacken-Hund, eine Amerikanische Bulldogge, gehöre seinem 51-jährigen Sohn, ist normalerweise in einem Zwinger mit dicken Gitterstäben untergebracht. Die siebenjährige Michelle sei Tochter der Lebenspartnerin des 51-jährigen Hundehalters. Sie ging zunächst mit dem braven Schäferhund vom Grundstück. Friederich Ziebell zeigt auf einen Feldweg hinter der Gartenanlage: "Da war es."

Der 51-Jährige hat nach Polizeiangaben dann auch die Bulldogge freigelassen. Es ging blitzschnell. Der Hund erreicht das Mädchen, reißt es an den Haaren umher, bis der Stiefvater sie befreit. "Ich habe zwei Minuten nicht aufgepasst", erklärt der 51-Jährige. "Sie kam doch sonst gut mit ihm klar."

Am nächsten Tag ist er schon wieder auf einer Baustelle, Michelles Mutter im Krankenhaus. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen die Hundehalterverordnung. Ein Halter müsse seinen Hund unter Kontrolle haben. Der Hund sei ins Tierheim gekommen - auf Wunsch des Herrchens. "Vermutlich wird er eingeschläfert", so Polizeisprecher Niels Borgmann. Ein gefährlicher Hund im Kleingarten - auch dies wird die Behörden beschäftigen.

"Das Halten von Tieren in Kleingärten ist nicht erlaubt", sagte gestern Thomas Wagner, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Gartenfreunde. Klare Botschaft: Die Gärten der deutschlandweit 15 000 angehörigen Vereine sei nur da für Anbau von Obst und Gemüse. Wagner relativiert: "Das Halten von Tieren ist verboten, das Mitbringen nicht." Zwinger seien ganz klar tabu, so Wagner.

Der Landesverband der Kleingärtner in MV korrigiert: Kaninchen dürften schon gehalten werden - ganz sicher aber keine Bulldoggen. Offenbar ist der Wariner Verein "Schrebereck" aber nicht Mitglied im Landesverband. Schulterzucken dazu gestern auch in der für Warin zuständigen Verwaltung in Neukloster. Ein Gartenverein könne Hundehaltung per Satzung ermöglichen, so Verwaltungschef Frank Meier: "Ich weiß nicht, wie das hier geregelt ist."

Mario Gustke, Vorsitzender des Kleingartenvereins "Schrebereck", war gestern über die Nachricht vom Angriff auf das Mädchen betroffen: "Das ist sehr traurig. Ich kenne das Mädchen." Das Halten von Hunden in einem Teil der Anlage sei aber erlaubt, betont Gustke: "In der Satzung ist das so festgelegt." Er selbst habe zwei Hunde - Golden Retriever - im Garten. Über die Bulldogge, die jetzt zubiss, könne er nichts Negatives berichten. Gustke: "Das muss die Polizei klären."

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