Studie : Bürger in MV zahlen für Ökostrom drauf

Netzausbau belastet Kunden in Nordosten deutlich stärker als in Bayern

svz.de von
13. März 2014, 08:03 Uhr

Die Energiewende kommt die Bürger in MV teuer zu stehen: Allein für die Kosten des Netzausbaus müssen Stromkunden mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zwischen 80 und 120 Euro mehr bezahlen als Verbraucher in Bayern oder Bremen, geht aus einer gestern in Schwerin vorgestellten Studie des Leipziger Instituts für Energie im Auftrag der Grünen-Landtagsfraktionen aller Ost-Länder und Bayerns hervor. So zahlen Privathaushalte in MV bereits jetzt 25 bis mehr als 35 Prozent höhere Netzentgelte als die großen Stromverbraucher Bayern, Baden-Württemberg oder auch Bremen. Der Studie zufolge verlangen die Versorger in den Ost-Ländern die höchsten Netzentgelte – in MV im Durchschnitt 8,04 Cent je Kilowattstunde, in Bayern etwa sechs Cent. Der Grund: Im dünnbesiedelten MV mit wenig Kunden aber langen Leistungswegen fallen überdurchschnittlich hohe Kosten an, die in der Region bezahlt werden müssen.

Die Studie zeige, dass die Netzentgelte, die derzeit etwa 22 Prozent des Strompreises ausmachen, nicht „angemessen verteilt“ würden, kritisierte Johann-Georg Jaeger, Energiexperte der Grünen-Landtagsfraktion in MV: „Ausgerechnet diejenigen Bundesländer, die den größten Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energien leisten“ würden am „stärksten belastet“.

Es wird noch mehr: Für den Netzausbau müssen Stromkunden in MV in den kommenden Jahren noch stärker aufkommen als die Nutznießer der erneuerbaren Energien in Süddeutschland. Den Gutachtern zufolge werden die Netzentgelte bis 2020 weiter auseinanderdriften. Danach steigen die Kosten dort am höchsten, wo dem weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien nur wenige Verbraucher gegenüberstehen – in MV nach Rechnung der Gutachter auf fast zehn Cent. Den Grünen zufolge müsse daher eine vierköpfige Familie 2020 im Netzgebiet des Regionalversorger Eon Edis zur Finanzierung des Netzausbaus 66 Euro mehr bezahlen, in Bayern fallen hingegen nur 18 Euro an. Die Unterscheide seien nicht zu rechtfertigen, sagte Jaeger. Die Energiewende sei ein gemeinsames Projekt und müsse auch solidarisch bezahlt werden. Die Grünen forderten bundesweit einheitliche Netzentgelte. Das würde die Kunden in MV heute um etwa zwei Cent je Kilowattstunde entlasten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen