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Brutales Saufgelage

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erstellt am 19.Jan.2010 | 02:05 Uhr

Neubrandenburg | Den 3. August 2009 vergisst der 37 Jahre alte Maurer nie. "Ich träume heute noch manchmal davon, wie der Mann angezündet wurde", sagte der 37-Jährige gestern vor dem Landgericht Neubrandenburg. Er ist einer der Hauptzeugen der Staatsanwaltschaft im Prozess gegen einen Neubrandenburger, der damals einen anderen Mann mit brennbarer Flüssigkeit übergossen und angezündet haben soll.

Dem vorbestraften Angeklagten wird versuchter Mord vorgeworfen. Das Opfer wurde lebensgefährlich verletzt. Der Angeklagte schwieg am ersten Prozesstag zu den Vorwürfen, aber mehrere der zehn Zeugen benannten ihn als Täter. Ich habe gesehen, wie er ein Feuerzeug an das Opfer hielt", sagte der 37-Jährige. Der Vorfall soll sich auf einer Feier in einer Einraumwohnung in der Neubrandenburger Oststadt ereignet haben. Das Opfer stammt aus Niedersachsen und kam eher durch Zufall dazu: Als der etwa sechsköpfigen Gruppe der Alkohol ausging, holten die Männer "Nachschub" aus einem Supermarkt, wo sie auf den 53-Jährigen trafen. Der ebenfalls schon angetrunkene Niedersachse hatte laut Polizei eine Freundin in Neubrandenburg besuchen wollen und war dabei bereits von Jugendlichen attackiert worden. "Er sagte, er hätte Geld, und anfangs war es auch ganz lustig", erinnerte sich der Hauptzeuge. Beim gemeinsamen Trinken in der Wohnung eines arbeitslosen Kraftfahrers gerieten der Angeklagte und das spätere Opfer in Streit. "Danach waren die beiden auf dem Balkon", sagte der 43 Jahre alte Ex- Kraftfahrer vor Gericht. Dort hatte der Wohnungsinhaber einen Kanister mit Zusatz für eine Scheibenwaschanlage stehen. Plötzlich stand der übergossene Mann in der Stube und brannte lichterloh. "Es zischte richtig, ich war starr", sagte der 43-Jährige. Der Angeklagte habe sich darüber mit der Bemerkung, das sehe aus wie bei einem Stuntman, noch lustig gemacht. Als Erster fasste sich der 37-Jährige, lotste den Brennenden ins Bad und duschte ihn in der Wanne ab. Der Schwerverletzte erhielt etwas Kleidung und ging allein ins etwa 500 Meter entfernte Klinikum. "Von dort musste er in eine Spezialklinik nach Berlin verlegt werden und war mehrere Monate in Lebensgefahr", erklärte die Staatsanwältin. Der 53-Jährige, der derzeit noch nicht am Prozess teilnehmen kann, verlor beide Ohrmuscheln und erlitt großflächige Verbrennungen auf 60 Prozent der Körperfläche. Der Angeklagte hat nach eigenen Angaben eine Lehre als Maler abgeschlossen und arbeitete zuletzt bis 2008 in Bremen, wo er auch verheiratet sei. Nach einer Ehekrise sei er Anfang 2009 wieder nach Neubrandenburg zurückgegangen, wo er "ziemlich viel" getrunken habe. Meist habe er "bei Kumpels gewohnt und getrunken", zuletzt von Arbeitslosengeld gelebt.

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