Braucht MV eine Pflegekammer?

Silke Gajek
Silke Gajek

Grüne regen öffentliche Diskussion an / Sozialministerium befragt Pflegende in MV nach der Akzeptanz einer solchen Interessenvertretung

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03. März 2014, 13:16 Uhr

Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Steuerberaterkammer, Ärztekammer, Apothekerkammer … und nun auch noch eine Pflegekammer? „Bitte nicht“, sagen all jene, denen bei Kammern vor allem Zwangsmitgliedschaft und Zwangsbeiträge einfallen. „Ja bitte“, sagen diejenigen, die mit Sorge die Außenwirkung der Branche beobachten.

„In einer Umfrage der Bundesanstalt für Arbeit gab unlängst gerade einmal ein Prozent der befragten Jugendlichen an, einen Beruf im Pflegebereich attraktiv zu finden. Das ist ein unhaltbarer Zustand“, findet die sozialpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Silke Gajek. „Zumal eine Studie der Bertelsmannstiftung von 2009 bis 2030 eine Zunahme der Pflegefälle in Mecklenburg-Vorpommern um 56 Prozent prognostiziert und der Fachkräftemangel in einigen Regionen des Landes schon heute akut ist.“ Denn in keinem anderen Bundesland gibt es, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, so viele Pflegebedürftige wie hier.

Eine Lösung, so glaubt die Grünen-Politikerin, könnte die Errichtung einer Pflegekammer in Mecklenburg-Vorpommern sein. Auch in anderen Bundesländern wird seit Jahren über solche Berufs- und Interessenvertretungen der Pflegenden diskutiert – mit unterschiedlichen Ergebnissen: Während sich in Umfragen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Bayern Mehrheiten für eine Pflegekammer aussprachen, plädierte in Hamburg nur gut ein Drittel dafür.

Hier in Mecklenburg-Vorpommern hat zwar im September 2012 ein Antrag der Bündnisgrünen, die Errichtung einer Pflegekammer zu prüfen, im Landtag keine Mehrheit gefunden. Es läuft aber nach Angaben des Sozialministeriums aktuell eine Befragung unter Beschäftigten in der Pflege, bei der es auch um das Für und Wider einer Pflegekammer geht. Das Ministerium hat im Rahmen seiner Sozialberichterstattung das Zentrum für Sozialforschung in Halle damit beauftragt. Grundsätzlich eine gute Sache, findet Silke Gajek, denn solch eine Kammer sollte nur errichtet werden, wenn die Betroffenen selbst sie wollen und wenn sie entscheiden, welche Aufgaben die Kammer wahrnehmen soll. „Allerdings läuft die Befragung hier, ohne dass die Befragten überhaupt wissen, was so eine Kammer kann“, bemängelt sie. In Schleswig-Holstein, wo bereits die Gründung eines Errichtungsausschusses für eine Pflegekammer beschlossen wurde, seien dazu Flyer verteilt worden, hier aber suche man auf den Internetseiten des Ministeriums vergeblich nach Hintergründen.

Derzeit würde gute Pflege vor allem aus der Sicht der Einrichtungs- und Kostenträger sowie von fremden Verbänden definiert, so Silke Gajek. „Pflegekräfte können zwar beteiligt werden, müssen es aber nicht.“ Eine Kammer würde im Sinne einer Selbstverwaltung nicht nur berufliche Richtlinien und Vorschriften erlassen, sie würde auch Aus- und Weiterbildung einheitlich regeln. Und sie würde Pflegenden eine Stimme gegenüber der Politik geben. „Denn obwohl sie die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen darstellen, werden sie bisher zu wenig in politische Entscheidungsprozesse eingebunden“, rügt die Grünen-Politikerin.

Unter dem Titel „Die Pflegekammer – Vor- oder Nachteil für die Pflege?“ lädt die Grüne Landtagsfraktion am Mittwoch, dem 5. März 2014, von 18 bis 20 Uhr zu einer öffentlichen Diskussion in das Schweriner Schleswig-Holstein-Haus (Puschkinstraße 12) ein.



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