Polizei kam gerade noch rechtzeitig : Brandsätze am Berliner Hauptbahnhof

Tatort Bahnhof: Beamte der Bundespolizei patrouillieren in Berlin, nachdem mehrere Brandsätze  gefunden wurden. dpa
Tatort Bahnhof: Beamte der Bundespolizei patrouillieren in Berlin, nachdem mehrere Brandsätze gefunden wurden. dpa

Die Bahn im Visier von Attentätern: Mit Brandsätzen in Berlin und Brandenburg haben mutmaßlich Linksextreme am Montag den Zugverkehr rund um die Hauptstadt stark beeinträchtigt.

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10. Oktober 2011, 08:16 Uhr

taDie Bahn im Visier von Attentätern: Mit Brandsätzen in Berlin und Brandenburg haben mutmaßlich Linksextreme am Montag den Zugverkehr rund um die Hauptstadt stark beeinträchtigt. Am Berliner Hauptbahnhof wäre es um ein Haar zu einem möglicherweise folgenschweren Anschlag gekommen, ein Mitarbeiter entdeckte die sieben Brandsätze aber, bevor sie explodieren konnten.

Auf freier Strecke nordwestlich von Berlin zündete jedoch ein Brandsatz in einem Schacht für Signalkabel und kappte so die wichtige Verbindung nach Hamburg. Tausende Reisende und Pendler werden deshalb auch heute unter Verspätungen und Zugausfällen leiden. In einem Bekennerschreiben protestiert eine linksextreme Gruppe im Internet gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan.

Bekenner: „Hauptstadt in den „Pausenmodus“ legen

Verletzt wurde bei den Anschlägen niemand – möglicherweise auch, weil die Bahn ihr Personal nach dem Anschlag in Brandenburg am frühen Morgen auf zusätzliche Kontrollgänge schickte. An der nördlichen Tunneleinfahrt zum Hauptbahnhof entdeckte ein Mitarbeiter hinter einem Trafo-Haus am Mittag sieben Brandsätze in einem Kabelschacht. Spezialisten machten die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten rechtzeitig unschädlich.

Die Sprengsätze hätten enormen Schaden anrichten können. Möglicherweise verzögerte auch das feuchte Wetter mit anhaltendem Nieselregen die Zündung. Spezialisten trugen die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten in Tüten davon. Die Tunneleinfahrt am Hauptbahnhof liegt gut 200 Meter vom Bahnhof selbst entfernt, der nicht gesperrt wurde.

Die Täter könnten aus der linksextremen Szene kommen: Das Landeskriminalamt (LKA) Brandenburg hält das Bekennerschreiben für authentisch. Nach Angaben der Bundespolizei gibt es Parallelen zwischen beiden Anschlägen. Ob weitere Brandsätze in Berlin versteckt sind, ist unklar.
Die antimilitaristische Gruppe mit dem Namen Hekla schreibt in ihrem Bekennerschreiben von „Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten“, die mit Brandbeschleunigern und elektronischen Zeitgebern die Hauptstadt in den „Pausenmodus“ legen sollten. Die Gruppe fordert demnach auch Freiheit für den inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning, der Interna an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergegeben hat.

Die Bahn reagierte empört auf die Anschläge. „Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten. Das ist absolut verantwortungslos“, teilte Konzernsicherheitsleiter Gerd Neubeck mit. Er betonte, es sei nicht die Aufgabe der Bahn, extremistische Gewalttaten zu bekämpfen. Der Konzern sei auf die staatlichen Ermittlungsbehörden angewiesen.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte mehr Personal für polizeilichen Staatsschutz. Die Politik müsse die Warnungen des Verfassungsschutzes ernst nehmen. „Auch der RAF-Terror hat mit der verharmlosenden sogenannten Gewalt gegen Sachen begonnen“, sagte der Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. „Später wurden Menschen ermordet.“

Die Bahn geht davon aus, dass die Reparatur an der Strecke Berlin-Hamburg zwischen Brieselang und Finkenkrug bis heute vormittag dauert.

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