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Wer löscht künftig auf dem Areal des Bombodroms? : Bombodrom ohne Brandschützer

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Wenn die 15 Mann starke Berufsfeuerwehr der Bundeswehr zum 30. September vom Truppenübungsplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide abzieht, ist das munitionsbelastete Areal ohne Brandschützer.

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erstellt am 22.Mär.2011 | 08:40 Uhr

Walsleben/Prignitz | Wenn die 15 Mann starke Berufsfeuerwehr der Bundeswehr zum 30. September vom Truppenübungsplatz in der Kyritz-Ruppiner Heide abzieht, ist das munitionsbelastete Areal ohne Brandschützer. Mitte 2009 hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) den Verzicht der Armee auf die Nutzung des 12 000 Hektar großen Gebiets - Bombodrom genannt - als Luft-Boden-Übungsplatz verkündet. 2010 gab Jungs Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) den vollständigen Rückzug der Bundeswehr von dem Gelände bekannt. Im Oktober soll die zivile Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) das Bombodrom von der Bundeswehr übernehmen.

Entsprechend werden die professionellen Feuerwehrleute des Heeres gehen. Doch was passiert künftig im Falle eines Brandes auf dem Areal, in dessen Boden nach Schätzungen der Landesregierung um die 56 000 Tonnen Munition liegen?

Während im Brandenburgischen der zuständige Landkreis Alarm schlägt, sieht man in den beiden Kreisen auf MV-Seite die Sache etwas entspannter - schließlich liegt auch der ganz überwiegende Teil des Bombodroms im Nachbarland. So meint der Landrat des Kreises Ostprignitz-Ruppin, Ralf Reinhardt (parteilos), dass man ein starkes Sicherheitsproblem bekommen werde. Die Berufswehr müsse bleiben, denn die freiwilligen Feuerwehren der Region seien für den Ernstfall auf dem Gelände nicht ausgerüstet. Auf dem Platz befinde sich jede Menge Munition, die im Brandfall explodieren und splittern könnte. "Bei Streumunition können Wirkradien von 800 bis 1000 Metern erreicht werden. Zudem liegen in der Heide mächtige russische Bomben, die die Russen bei Kriegseinsätzen verwenden. Die haben auch Metallsplitter, die bis zu einem Kilometer fliegen können."

"Eine ständige Truppe ist auf jeden Fall besser. Natürlich ist die Sicherheit dann mehr gegeben", zeigte sich zwar auch der Kreisfeuerwehr-Chef aus dem Landkreis Mecklenburg-Strelitz, Josef Augustin, skeptisch. In den vergangenen Jahren habe man aber in der betreffenden Region keinen Brand registriert und auch alles absichern können. Ähnlich äußerte sich der Sprecher des Müritz-Kreises, Detlef Werner. "Unsere Feuerwehrleute sehen keine Probleme, weil es bislang auch keine Anknüpfungspunkte zur Berufsfeuerwehr dort gab", sagte er. Allerdings monierte er, dass der Kreis bislang nicht offiziell über die Pläne informiert wurde, auch nicht über den geplanten Abzugstermin.

Rainer Entrup, Sprecher der BIMA, betonte unterdessen, dass der Brandschutz auf dem Bombodrom wohl gesichert sei. So habe die Bundesanstalt signalisiert, dass ihre Feuerwehr bis Jahresende in der Heide bleibe. Möglich sei auch, dass sie erst Mitte 2012 gänzlich abrücke. Zudem arbeite er seit August 2010, als bekannt wurde, dass sich die Bundeswehr aus der Kyritz-Ruppiner Heide völlig zurückzieht, intensiv an einem Brandschutzkonzept. Dessen zentraler Bestandteil sei, um das gesamte Areal eine 50 Meter breite Schutzschneise zu schlagen. "In Teilbereichen haben wir mit den Arbeiten schon begonnen", so Entrup.

Zudem werden dem BIMA-Sprecher zufolge 15 Zisternen mit 60 000 Liter Fassungsvermögen für Löschwasser am Schutzstreifen angelegt. Auch verfüge das Bombodrom schon jetzt über eine Videoüberwachungsanlage. "Bis 2013 soll der Ring geschlossen sein. Wir hoffen darauf, dass die Militärwehr bis dahin das Gelände sichert", sagte Entrup. Nach Aussage der BIMA muss nicht ein freiwilliger Feuerwehrmann zum Löschen in die Heide. Das würden Einsatzrichtlinien von vornherein untersagen: "Ihre Zuständigkeit endet am Schutzstreifen." Doch: Im Ernstfall muss dem Sprecher zufolge aufgepasst werden, dass Funken nicht auf Nachbarareale übergreifen. Aller Erfahrung nach sollte die 50 Meter breite Brandschutzschneise aber ausreichen. "Wenn es auf dem Platz brennen sollte, brennt es eben. Wir versuchen dann Hilfe von der Bundeswehr zu bekommen", sagte er.

Ein derartiges Szenario hält man auch im benachbarten Landkreis Prignitz für bedenklich. "Vom Grundsatz her können wir diese Situation nicht begrüßen. Auch für uns sind damit erhöhte Anforderungen verbunden", sagte Erich Schlotthauer von der Kreisverwaltung, zuständig für den Katastrophenschutz. Zum einen grenze das Bombodrom auch an den Prignitzkreis, sogar an eine ebenfalls munitionsbelastete Fläche bei Jennersdorf. Ein Feuer könnte dorthin übergreifen. Schlotthauer sieht in Sachen Brandschutz in dem Wald- und Heidegebiet auch die Bundesländer Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Verantwortung. Schließlich sei zumindest in Brandenburg das Thema Waldbrand einer der Aufgabenschwerpunkte des Brand- und Katastrophenschutzes. Deshalb sollten sich die Vertreter der Länder und Kreise an einen Tisch setzen und trotz knapper Ressourcen gemeinsam eine Lösung finden, meint Schlotthauer.


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