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BND versiebt Pläne für geheimste Baustelle

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erstellt am 11.Jul.2011 | 07:34 Uhr

Berlin | Es werde die modernste Nachrichtendienst-Zentrale in Europa, schwärmte der damalige Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) bereits im Herbst 2006 bei der Grundsteinlegung. Hinter drei Meter hohen, blickdichten Zäunen wurde rasch mit den Arbeiten begonnen, die 260 000 Quadratmeter große Baustelle am Rande des Berliner Regierungsviertels bis in den letzten Winkel die ganze Nacht über mit grellem Flutlicht ausgeleuchtet.

20 000 Tonnen Stahl, 14 000 Fenster, eine Geschossfläche von 35 Fußballfeldern - ein Bau der Superlative. Geschätzte Kosten: Mehr als 1,5 Milliarden Euro. Allein für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen, um die rund 2500 Bauarbeiter zu kontrollieren und so zu verhindern, dass ausländische Geheimdienste den Gebäudekomplex mit Abhörvorrichtungen versehen, schlug ein zweistelliger Millionenbetrag zu Buche. Schon war von "Europas geheimster Baustelle" die Rede - doch seit dem Wochenende ist alles anders.

Die Bundesregierung ist fieberhaft auf der Suche nach einem Leck. Geheime Baupläne der BND-Zentrale sind offensichtlich vom Gelände geschmuggelt worden und über eine Baufirma in Umlauf geraten, berichtete das Magazin "Focus".

Es klingt wie das Drehbuch eines schlechten Agenten-Thrillers. Offenbar geht es um brisantes Material: Nach Angaben der Zeitschrift betreffen die Pläne "den geheimsten Teil des künftigen BND-Zentrums", sensible Angaben zu Notausgängen, Schleusen, Alarmanlagen, Antiterror-Einrichtungen, Tür- und Deckendichte und Kabelschächten. Nach Angaben des "Focus" seien die Pläne zwar als Verschlusssache klassifiziert gewesen - jedoch lediglich mit "VS - nur für den Dienstgebrauch", der niedrigsten Geheimhaltungsstufe.

Wie kamen die Pläne an die Öffentlichkeit? Waren die Sicherheitsvorkehrungen zu lasch? Wie reagieren die Geheimdienste befreundeter Staaten auf die peinliche Panne? Nicht nur BND-Präsident Uhrlau gerät in Erklärungsnot, sondern auch die Regierung und mit Kanzleramtschef Pofalla (CDU) auch ihr ranghöchster Geheimdienstkoordinator. "Das ist ein ernst zunehmender Vorgang", so Regierungssprecher Seibert.

Schon jetzt ist klar: Die Angelegenheit wird ein Nachspiel haben. Aus den Koalitionsfraktionen im Bundestag kommt der Ruf nach Konsequenzen. "Die Bundesregierung muss den Vorgang mit Hochdruck aufklären", erklärte FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff, Mitglied im Parlamentarischen Gremium zur Kontrolle der Geheimdienste, im Gespräch mit unserer Redaktion. "Es kann nicht sein, dass ausgerechnet das Amt, das sich um geheime Informationen kümmert, selbst Schwierigkeiten mit der Geheimhaltung hat."

Die Bundesregierung sagte gestern eine umfassende Untersuchung zu. Und der BND selbst? Er verwies gestern auf den eigentlichen Bauherrn, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - eine Behörde im Zuständigkeitsbereich von Bauminister Ramsauer (CSU).


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