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Schweriner Prozess um Profiboxer Jürgen Brähmer : Blutende Nase und schiefer Knorpel

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Die Zeugin ist eher zierlich. Doch im Prozess um Profiboxer Jürgen Brähmer spielt sie eine gewichtige Rolle. Er soll die Frau 2008 in einer Diskothek nach einem Streit ins Gesicht geschlagen und sie beleidigt haben.

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erstellt am 22.Mär.2011 | 08:42 Uhr

Schwerin | Die Zeugin ist eher klein und zierlich. Doch im Prozess um Profiboxer Jürgen Brähmer spielt sie eine gewichtige Rolle. Als Hauptbelastungszeugin und als Nebenklägerin. Der WBO-Weltmeister ist vor mehr als einem Jahr vom Schweriner Amtsgericht wegen Körperverletzung zu einer 16-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Unter anderem, weil er laut Urteil die junge Frau im September 2008 in einer Schweriner Diskothek nach einem Wortgefecht mit dem Handrücken ins Gesicht geschlagen und sie beleidigt haben soll. Brähmer hatte die Vorwürfe über seine Anwälte zurückweisen lassen und das Urteil angefochten. Auch die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt. So kam es zu dem aktuellen Prozess vor dem Landgericht Schwerin, der Anfang März begonnen hat und für den noch kein Ende abzusehen ist. Und zu dem so ziemlich alle Zeugen aus der ersten Runde nun noch einmal geladen sind.

Die heute 36-jährige ehemalige Schwerinerin reiste zur Vernehmung aus ihrem neuen Wohnort in Österreich an. Dass in diesem Verfahren gegen den prominenten Boxer vor allem die Verteidigung mit harten Bandagen kämpft, dürfte ihr noch aus dem Prozess vor dem Amtsgericht in (un)guter Erinnerung sein. Schon dort musste sie sich auch unangenehmen Fragen zu ihrem Privatleben stellen. Gestern war zunächst sie es, die Angaben zum Privatleben machte - und zwar zu dem von Jürgen Brähmer.

Nach dem Grund ihres Streits mit dem Halbschwergewichtler in der Diskothek gefragt, sagte sie sinngemäß, Brähmer sei fremdgegangen und sie habe das gewusst. Das habe den Boxer in der Disko in Rage gebracht. In dem Disput habe er sie beschimpft, weggestoßen und sie dabei mit dem Handrücken an der Nase getroffen. Sie sei auf ihr Hinterteil hingefallen, aber allein wieder aufgestanden und nun ihrerseits auf den deutlich größeren Mann losgegangen. Sie wurde dann aber von einem Dritten von hinten festgehalten. Ihre Freundin habe sie schließlich in den Waschraum begleitet, wo sie ihr Gesicht kühlte. "Meine Nase hat geblutet", sagt sie. Sie habe nichts auf Brähmer geworfen und auch nicht ihr Sektglas über ihn geschüttet, wie einige Zeugen gesagt hatten.


Anwalt legte kurzfristig das Mandat nieder

"Es war kein heftiger Schlag. Ich glaube nicht, dass er meine Nase treffen wollte. Er wollte mich nur wegstoßen", sagte sie. Warum sie den Streitgrund, Brähmer sei fremdgegangen, nie zuvor erwähnt habe, wurde sie im Prozess gefragt. Das habe nichts mit der eigentlichen Tat zu tun und sei schließlich seine Privatsache, erklärte sie.

Die Zeugin und Nebenklägerin hatte selbst keine Anzeige gegen den Boxer erstattet. Vor dem Amtsgericht hatte sie gesagt, dies habe ein Bekannter getan. Sie habe das auch nicht vorgehabt. Einen Tag nach dem Vorfall hat die Polizei vor ihrer Tür gestanden und sie zur Untersuchung ins Klinikum gefahren. Sie habe Kopfweh und Schmerzen an der Nase gehabt, sagte sie gestern. Ein Knorpel stand schief. Vier Tage nach der Auseinandersetzung sei sie deshalb operiert worden.

Die medizinischen Atteste und Gutachten über die Verletzungen der Frau widersprechen sich teilweise. Deshalb sind drei medizinische Sachverständige und mehrere Ärzte als Zeugen geladen. Die Befragung der Frau dauerte am späten Nachmittag noch an.

Unmittelbar vor dem gestrigen Prozesstag hatte ihr Anwalt das Mandat niedergelegt. Er habe erst jetzt erfahren, dass seine Kanzlei in einem zivilen Betrugsverfahren gegen die Zeugin die gegnerische Mandantin kurzzeitig vertreten habe. Das Gericht hatte kurzfristig einen anderen Rechtsanwalt als Zeugenbeistand zugezogen.

Brähmer soll im Mai des gleichen Jahres in einer Bar am Pfaffenteich auch einen Mann geschlagen haben. Der Zeuge soll in der kommenden Woche aussagen.


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