Betriebe in der Personalzange

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27. Februar 2010, 08:34 Uhr

Hasenwinkel | Die Bevölkerung im Land schrumpft und wird älter. Dieser so genannte demographische Wandel birgt für die Unternehmen im Land dennoch Chancen, glaubt Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). Aber auch die Arbeitnehmer könnten auf höhere Löhne und Langzeitarbeitslose auf einige zusätzliche Chancen hoffen. Auf einer ersten "Demographiekonferenz" der Wirtschaft im Schloss Hasenwinkel forderte Seidel gestern die Unternehmer auf, sich der Herausforderung zu stellen.

Die Betriebe werden derzeit "von zwei Seiten in die Zange genommen", beteuerte Hans-Dieter Bremer, Präsident der Vereinigung der Unternehmensverbände. Einerseits werden 2010 voraussichtlich 2400 Lehrlinge fehlen. Andererseits verabschieden sich jeden Monat 1000 Mitarbeiter aus den Betrieben in Richtung Ruhestand.

Neue Lehrlinge und Fachkräfte in den Betrieb zu holen, ist nur eine wichtige Aufgabe, vor der viele Unternehmer stehen. Das sei unter anderem durch höhere Löhne möglich, sagte Bremer: "Die Gehälter werden künftig automatisch steigen." Nicht davon abzukoppeln seien jedoch die Preise, die die Kunden zahlen müssen. Außerdem, so Bremer, müssen der Beruf und die Familie besser miteinander vereinbar sein. Jeder Betrieb könne prüfen, ob dies durch andere Arbeitsorganisationen oder flexiblere Arbeitszeiten zu erreichen ist. Schlechte Chancen sehen die Unternehmer für Vorruhestandsregelungen. Immer mehr Arbeitnehmer werden arbeiten müssen bis sie das gesetzliche Rentenalter erreichen. Das verpflichtet die Betriebe, sich auch um die Gesundheit und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu kümmern.

Nicht nur die Belegschaften werden älter, sondern auch die Kundschaft. Daraus erwachsen nach Ansicht von Experten vor allem der Tourismus- und der Gesundheitsbranche in Mecklenburg-Vorpommern neue Chancen. Wohnungswirtschaft und Handwerksbetriebe wiederum könnten Einbußen erleiden, wenn die Zahl der Kunden sinkt. Ältere Kunden haben auch andere Bedürfnisse, der etwa die Dienstleistungsunternehmen Rechnung tragen sollten.

Martin Rottensteiners Betrieb bereitet sich auf den demographischen Wandel bereits vor. "Wir wenden uns direkt an die Schulen und an die Eltern, um Auszubildende aus der Region zu werben", berichtete der Geschäftsführer der Egger-Holzwerke in Wismar seinen Kollegen. Eggert beschäftigt 750 Mitarbeiter. "Wir sind auf Berufs-Messen und auch in den Medien präsent, um zu zeigen, dass und welche attraktiven Arbeitsplätze wir für Fachkräfte haben." Das Unternehmen kümmert sich laut Rottensteiner ebenso um das ältere Stammpersonal.

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