Kriminalität : Bereits neun Angriffe auf Asylheime in MV

«Lichtenhagen kommt wieder» lautet eine rechtsextreme Schmiererei in Anspielung auf die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen im August 1992, später wurde das Wort «Nie» dazu geschrieben. In MV häufen sich Attcken gegen Asylbewerberheime.
Foto:
1 von 1
«Lichtenhagen kommt wieder» lautet eine rechtsextreme Schmiererei in Anspielung auf die ausländerfeindlichen Krawalle in Rostock-Lichtenhagen im August 1992, später wurde das Wort «Nie» dazu geschrieben. In MV häufen sich Attcken gegen Asylbewerberheime.

Zahl der Attacken auf Asylbewerberheim in MV hat sich verdoppelt. Politologin: Mit Pegida sinkt die Hemmschwelle.

von
14. Juli 2015, 06:30 Uhr

Vom Hitlergruß bis zum Brandanschlag – Attacken auf Heime und Wohnungen von Asylbewerbern nehmen auch in MV zu. Nach Angaben des Schweriner Innenministeriums wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres bereits neun Angriffe gegen Asylunterkünfte oder deren Bewohner gezählt – genauso viele wie im gesamten Vorjahr. Sieben politisch motivierten Straftaten im Zusammenhang mit Asylbewerberheimen registrierte die Polizei 2013.

Ein regionaler Schwerpunkt ist Güstrow. Am 11. Januar flogen dort Steine gegen ein Asylbewerberheim. Eine Scheibe ging zu Bruch. Am 18. Mai skandierten vier Unbekannte in einem Auto vor einem Güstrower Heim den Hitlergruß und grölten ausländerfeindliche Parolen. Am 31. Mai stieß ein Mann vor einer Asylunterkunft ein ausländisches Kind vom Fahrrad. Der Täter konnte ermittelt werden. Am 2. Juni stand ein Mann auf seinem Balkon und führte gegenüber einer Gruppe von Asylbewerbern als widerliche Geste ein Messer an seiner Kehle entlang. Die Polizei ermittelt wegen Bedrohung.

Für die Rostocker Politikwissenschaftlerin Dr. Gudrun Heinrich ist die Zunahme der Übergriffe keine Überraschung: „Die Pegida-Bewegung mit ihren regionalen Ablegern hat dafür gesorgt, dass die Hemmschwelle für Ausländerfeindlichkeit in einem Teil der Bevölkerung deutlich gesunken ist.“ Auch die rechtsextreme NPD würde seit Monaten mit fremdenfeindlichen Aktionen wie ihrer Asyltour den Hass auf Flüchtlinge schüren. Lobbi, eine Organisation gegen rechtsextreme Gewalt, spricht ebenfalls von einer „deutlichen Zunahme rassistischer Vorfälle nach den Aufmärschen von Pegida und Mvgida“. Bundesweit hat sich die Zahl der Übergriffe auf Heime und Wohnungen von Flüchtlingen im Jahr 2014 auf 150 Attacken erhöht – dreimal so viele wie 2013.

Der schwerste Angriff der letzten Monate in MV war der Brandanschlag mit zwei Molotow-Cocktails auf das Asylbewerberheim in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) im Oktober 2014. Verletzt wurde niemand. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte an, „konsequent gegen die geistigen Brandstifter dieser gefährlichen rechtsextremen Provokationen vorzugehen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen