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Wahlumfrage : Beliebtheitspreise gibt es nicht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Wahlumfrage von NDR-Nordmagazin und medienhaus:nord lässt keine Wahleuphorie im Nordosten erkennen

von
erstellt am 08.Mai.2014 | 21:20 Uhr

Wenn Landespolitiker direkt gewählt würden, dann wären die politischen Kräfteverhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern sonnenklar. Doch bis auf Landräte und Oberbürgermeister wird hierzulande nicht direkt gewählt, sondern nach den Regeln des Verhältniswahlrechts. Und die Landespolitik steht am 25. Mai gar nicht zur Wahl, sondern die kommunale Ebene (Stadt- und Gemeinderäte, Kreistage, Bürgermeister, Landräte und das EU-Parlament).

Dennoch kann aus den Bekanntheits- und Beliebtheitswerten einzelner Protagonisten im Land auch ein Stimmungsbild sowohl nach unten wie nach oben abgeleitet werden, das zumindest indirekt bei Wahlen durchaus einen Ausschlag geben, bei knappen Ergebnissen sogar das Zünglein an der Waage darstellen kann.

Eindeutiger Sieger bei Bekanntheit wie Beliebtheit ist der amtierende Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Nur drei Prozent von 1001 Befragten wissen mit seinem Namen nichts anzufangen, ergab die Wahlumfrage von NDR-Nordmagazin und Schweriner Volkszeitung/medienhaus:nord drei Wochen vor dem Wahltag. Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) bescheinigen ihm gute Arbeit - trotz aktueller Werften-Krise und anderen Negativ-Momenten. Knapp ein Viertel (24 Prozent) finden, er habe seine Arbeit nicht gut gemacht. Indes ist sein Nimbus seit der Landtagswahl 2011 um zehn Punkte geschrumpft.

Aufgeholt hat der CDU-Landeschef, Innenminister Lorenz Caffier. Und zwar um acht Punkte gegenüber 2001. Caffier kennen immerhin neun von zehn Befragten (91 Prozent). Zumindest knapp die Hälfte bescheinigt ihm gute Arbeit, ein Drittel (35 Prozent) allerdings meinen, er habe seinen Job schlecht gemacht.

Mit dem Frontmann der Linken, Landtagsfraktionschef Helmut Holter, weiß ein Viertel (24 Prozent) der Befragten nichts anzufangen. Befürworter wie Kritiker seiner politischen Arbeit als Oppositionsführer im Landtag halten sich unter den 76 Prozent der Befragten, die ihn kennen, beinahe die Waage (36 zu 30 Prozent). Mit einem Punkt Verlust beim Positivurteil liegt Holter ziemlich stabil.

Den Fraktionschef der zweiten demokratischen Oppositionsfraktion, Jürgen Suhr, kennt mehr als die Hälfte nicht (52 Prozent). Wer ihn kennt, schätzt sein Wirken zu 14 Prozent gut, zu 18 Prozent schlecht ein. Ein Ergebnis, mit dem kaum etwas anzufangen sein dürfte - außer der Erkenntnis, dass es ein langer Weg ist, bis eine politische Kraft sich im Nordosten etablieren kann.

Ein Fünftel der Befragten kennt den Wortführer der Neonazis im Landtag, Udo Pastörs, nicht. Das heißt im Umkehrschluss, dass vier von fünf Befragten sehr wohl etwas mit diesem Namen anzufangen wissen. Umso eindeutiger deren mehrheitliches Urteil (62 Prozent), dass er schlechte Arbeit abliefere, und nur acht Prozent das auf Krawall und Provokation ausgerichtete Wirken der von ihm geführten NPD-Fraktion im Landtag gut findet. Damit dürften die Rechtsextremen ihr Stammklientel ausgeschöpft haben. Anheben wird sie dieses Ergebnis kaum, schließlich lehnen sie das Parlament als „Quasselbude der Block-Parteien“ ab und streben deren Abschaffung an. Dennoch zeigt dieses Ergebnis einmal mehr, dass der Zenit des Protest-Wahlverhaltens in der MV-Bevölkerung überschritten sein dürfte. Dennoch werden sie versuchen, dank weggefallener Prozenthürde sich nun auch im Europaparlament festzusetzen.

 

Kommentar von Michael Seidel

 

Nicht unterschätzen!

Drei Wochen vor dem großen Wahltag hängen zwar landauf, landab die Wahlplakate. Mancherorts hat der Regen sie auch schon wieder zum Altpapierstapel zusammengestaucht. Doch  Wahlstimmung ist nicht so recht zu verspüren. Das ändert auch die wie üblich  stark steigende Frequenz von Politikervisiten nicht.

Dennoch sollten beide Wahlen - die zu den Kommunalvertretungen wie für Europa - nicht gering geschätzt werden. An beiden Polen fallen die meisten Entscheidungen für unser täglich Leben. Das eine ist die Basis aller Bürgergesellschaft, das andere deren höchste Ausformung in Europa. Beides greift in beinahe alle Lebensbereiche ein.
 

 

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