Küstenschutz : Belasteter Sand für die Strände?

Im Ostseebad Boltenhagen suchten vor den Ferienbeginn Spezialisten nach Munition.
Im Ostseebad Boltenhagen suchten vor den Ferienbeginn Spezialisten nach Munition.

Trotz der Munitionsfunde in Rerik und Boltenhagen hält MV an Strandaufspülungen mit Ostseesand fest.

svz.de von
03. Juli 2015, 21:00 Uhr

Trotz der zahlreichen Munitionsfunde nach Strandaufspülungen in den Ostseebädern Rerik und Boltenhagen mit Ostseesand hält das Land an derartigen Maßnahmen fest. Jährlich würden in Mecklenburg-Vorpommern 500 000 Kubikmeter Sand für den Küstenschutz benötigt, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gestern im Landtag. Das entspreche etwa 40 000 Lkw-Ladungen. Diese Mengen könnten nicht an Land gewonnen und zur Küste transportiert werden. Sandentnahmen aus der Ostsee seien unumgänglich.

Sie sollen aber künftig besser durch Munitionsexperten kontrolliert werden - auf dem Schiff und noch einmal an Land. Trotz vorgeschriebener Siebe und Magnete bei der Sandentnahme im Meer und bei der Aufspülung am Strand waren im Juni in Boltenhagen bei einer groß angelegten Suchaktion 178 Kilogramm Munitionsreste am Strand gefunden worden. Im Jahr zuvor wurden am Strand von Rerik rund 1700 Kilogramm Altmunition beseitigt.

Die Grünen scheiterten im Landtag mit der Forderung, bei Sandaufspülungen keinen munitionsbelasteten Sand mehr zu verwenden. Caffier wies darauf hin, dass nahezu alle Sandlagerstätten in der Ostsee mit Munition belastet seien. Das Meer gilt als stark belastet mit gefährlichen Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Kampfmittelkataster, das der Munitionsbergungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern seit 2000 führt, listet Caffier zufolge über 30 belastete Flächen in den Küstengewässern mit fast 65 000 Hektar auf. Caffier warnte vor Panikmache.

Die Linken-Politikerin Mignon Schwenke forderte ein stärkeres Engagement des Bundes bei der Unschädlichmachung von Altmunition in der Ostsee. Es sei ein Skandal, dass der Bund nur für die Beseitigung „ehemals reichseigener Gefahren“ aufkomme. Das bedeute: „Was von den Alliierten verklappt worden ist oder im Laufe von Manövern nach dem Krieg von den Beteiligten und der NVA über Bord ging, interessiert den Bund nicht.“ Diese Regelung sei absurd, sagte Schwenke. Eine neue Vereinbarung mit dem Bund müsse her. Die Linke-Politikerin unterstützte die Forderung der Grünen nach besserer Aufklärung über den richtigen Umgang mit Funden weißen Phosphors aus Brandbomben am Strand. Immer wieder werden Stücke angespült und von Spaziergängern für Bernstein gehalten und aufgehoben. Verbrennungen an den Händen sind eine häufige Folge. Die Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski forderte auffällige Informationen auch auf Englisch und Polnisch und Abbildungen, damit auch ausländische Gäste die Gefahrenschilder besser verstehen.

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