Umweltverbände kritisieren : Beim Artenschutz steht die Ampel im MV auf rot

Schreiadler  werden  immer  seltener.  In Deutschland brüten diese seltenen Vögel mittlerweile nur noch in Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.
Schreiadler werden immer seltener. In Deutschland brüten diese seltenen Vögel mittlerweile nur noch in Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Umweltverbände kritisieren: Nicht einmal ein Drittel der selbst gesteckten Ziele werden erreicht

von
26. März 2014, 20:53 Uhr

Wie ist es bestellt um den Lebensraum von Schreiadler und Weißstorch? Schlecht, lautet die Antwort der Umweltverbände BUND und NABU, die in einer vergleichenden Analyse die Anstrengungen von 13 (Flächen-)Bundesländern zum Erhalt der biologischen Vielfalt bewertet haben.

In Mecklenburg-Vorpommern steht die Ampel aus Sicht der Umweltexperten auf Rot: Vor allem die Stagnation im Ökolandbau habe zu der negativen Bewertung geführt, hieß es. Zwar habe der Ökolandbau schon im Jahr 2010 bei fast der Hälfte der angestrebten 20-Prozent-Zielmarke gelegen. Seitdem habe sich aus Sicht der Umweltverbände aber auch kaum etwas bewegt. Gründe dafür seien zumindest teilweise bei der Weichenstellung durch die Landesregierung zu suchen, es fehle ein umfassendes und in sich geschlossenes Gesamtkonzept. Stattdessen würden Massentierhaltung und Maisanbau zur Biogasproduktion boomen, was zu Lasten der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft gehe.

In keinem Bundesland werden der Analyse zufolge Tiere, Pflanzen und Lebensräume so geschützt, dass bis zum Jahr 2020 der Verlust der Artenvielfalt gestoppt und gefährdete Lebensräume wiederhergestellt werden könnten. Im Gros der Länder würde nicht einmal ein Drittel der Naturschutzziele erreicht, Ausnahmen bildeten hier lediglich Brandenburg, Hessen und das Saarland. Generell aber gelte: Die Flächenversieglung durch Industrie- und Verkehrsbauten sowie die industrielle Landwirtschaft schreite weiter voran. Den Ländern fehlten jegliche Ambitionen, um die selbst gesteckten Ziele beim Erhalt wertvoller Arten und Lebensräume zu erhalten.

Zu diesen Zielen zählt unter anderem, Wildnis auf zwei Prozent und Wälder mit dauerhaft natürlicher Entwicklung auf fünf Prozent der Gesamtfläche Deutschlands zuzulassen. Hier zumindest konstatieren die Umweltverbände, dass MV wichtige Schritte in die richtige Richtung unternommen habe.

Rot zeigen sie der Landesregierung dagegen in puncto Management der Vogelschutz- und FFH-Gebiete. Auch 20 Jahre nach dem Beginn der Ausweisung dieser Schutzgebiete gebe es noch nicht für alle ausreichende Managementpläne, ein konsequenter Schutz sowie ausreichende Unterstützung für den Landschaftserhalt fehle in der Regel. Eine Schutzgebietsausweisung allein mache noch keinen umfassenden Schutz der biologischen Vielfalt, betonen die Umweltverbände deshalb, und kritisieren außerdem: Noch zu selten würden neue Schutzgebiete ausgewiesen.

Ursel Karlowski, umweltpolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion, schließt sich der Kritik von NABU und BUND an. „Der Artenbestand unseres Bundeslandes wird ganz maßgeblich dadurch bestimmt, wie wir Feld, Wiese und Wald bewirtschaften, aber auch wie wir Siedlungs- und Verkehrsflächen in Anspruch nehmen“, so Karlowski. Zwar habe das Land eine Biodiversitätsstrategie aufgestellt, doch gelte diese nur für das Ressort des Landwirtschafts- und Umweltministeriums, nicht aber für das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium, kritisiert die Grünenpolitikerin. Letztere einzubeziehen, sei Voraussetzung für Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen