Bei Straußen-Damen ist schon Frühling

Monika Helfrich bietet im Hofladen der Farm Artikel rund um den Vogel an. Ein Renner - Straußen-Eier
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Monika Helfrich bietet im Hofladen der Farm Artikel rund um den Vogel an. Ein Renner - Straußen-Eier

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06. Februar 2010, 09:22 Uhr

LÜbz | Straußen-Hahn "Odin" scharrt mit den Füßen. Neben ihm fängt eine Gefährtin an zu klappern - so heißt es, wenn Straußen-Hennen brünftig sind und mit den Flügeln schlagen. "Das ist sehr ungewöhnlich", sagt Monika Helfrich. Normalerweise beginne die Brunft der aus Afrika stammenden Riesenvögel im Frühjahr. Doch in diesem Jahr hat "Odin" früher zu tun. Zwei seiner vier Hennen haben mit dem Klappern begonnen: Sie plustern ihre Flügel; es entsteht ein Geräusch wie beim Teppichklopfen. "Die Henne will getreten werden", erklärt Frank Löhr, der mit Monika Helfrich die Straußenfarm in Riederfelde betreibt. In zwei, drei Wochen seien dann die ersten Eier da - groß wie Handbälle.

Seit fast sechs Jahren halten die Riederfelder Strauße. Die Idee sei nach einem Fernsehfilm über die majestätischen Vögel entstanden. Löhr (37) ist Landwirt, Helfrich (50) Vertriebsfachfrau - leben können sie von den Straußen noch nicht, beide sind berufstätig. Vor allem im Sommer laufe das Geschäft mit den Vögeln gut, wenn Touristen anrollen. Im Laden verkauft das Paar diverse Artikel rund um die Strauße, auch Fleisch und Wurst.

Zwei Meter große Küken

Frank Löhr wirft in einem Nebengebäude auf der Farm eine kleine Schrotmühle an. Weizen, Gerste, Mais kippt er oben rein, mischt Mineralien und Vitamine dazu. Dann schleppt der 37-Jährige das Futter eimerweise auf die schneebedeckte Weide hinterm Haus. Dort warten rund 100 Jungtiere, Strauße, die im Sommer 2009 geboren wurden. "Küken", nennt sie Löhr. Zwei Meter große Küken. Löhr streichelt sie und wehrt Schnabel-Attacken ab. "Auf seine Ohren muss man schon aufpassen."

Mindestens zwölf Monate dauere es, bis die Tiere schlachtreif sind. Dazu verfüttert der Landwirt 1,5 Tonnen Getreide pro Woche. Das Fleisch der Tiere ist bekannt für seine hohe Qualität, mager und fest "Es schmeckt wie Rind", sagt Monika Helfrich. Auf dem Land dauere es etwas länger, bis sich die Gaumen daran gewöhnt haben. Auch Frank Löhr isst gern Strauß. "Normalerweise bin ich sehr mäklig beim Essen", sagt er. Doch das Fleisch der Tiere sei lecker: "Am besten gegrillt oder als Gulasch." Dazu bringt der Riederfelder die Vögel zu einem Schlachthof in Greifswald.

Die Küken flitzen geschickt über den tiefen Schnee. Das Wetter mache ihnen nichts aus, auch nicht strenger Frost. Besonderheit: "Strauße haben eine höhere Körpertemperatur als wir", so Löhr: 40, 41 Grad Celsius. Er deutet auf Abdrücke im Schnee. Wenn die Herde sich nachts dort niederlässt, die Vögel sich gegenseitig wärmen, "dann schmelzen sie sich tief in den Schnee".

13 Zuchttiere hat die Straußenfarm derzeit, vier Hähne, neun Hennen. "Odin" ist der Garant für befruchtete Eier, er darf vier Damen um sich haben. Frank Löhr mustert den schwarzen Straußen-Mann (Hennen sind grau) aufmerksam. Geht die Eierlegerei erst los, dann wird der 37-Jährige wieder öfter durch den Auslauf rennen und sich vor "Odin" in Sicherheit bringen. Denn: Die rund 50 Eier, die eine Henne pro Jahr legt, nehmen Löhr und Helfrich aus dem Gehege und packen sie in einen Brutapparat. Der Haken: Bei Straußen ist der Mann für Nestbau und -pflege zuständig. "Odin" vergräbt die Eier im Boden. Holt Löhr sie raus, muss er jemanden mitnehmen: Einer lenke den Vogel ab, einer greife zu. Nicht selten gebe es dann auch eine Art Wettlauf: Frank Löhr gegen Vogel "Odin", 80 gegen 130 Kilo. Der Strauß sei allerdings deutlich schneller: bis zu 70 km/h. "Ich kann nicht gewinnen", so Löhr schmunzelnd. "Ich will mich nicht mit ihm kabbeln", sagt er und deutet auf die Füße des Vogels: gut 20 Zentimeter lang mit einer riesigen Kralle vorn.

Kontakte auf der Grünen Woche

Monika Helfrich räumt gerade im Hofladen auf. Vor ein paar Tagen seien sie von der Grünen Woche in Berlin zurückgekommen. Werbetour mit Effekten. "Das Interesse war groß", erklärt die 50-Jährige. Sie sprach mit Kunden, Produzenten, Händlern, sammelte Visitenkarten. Jetzt sei es Zeit, die neuen Kontakte zu vertiefen. Eine Frau habe sie angesprochen, "ob wir nicht auch Wasserbüffel-Fleisch mit in unser Angebot aufnehmen wollen".

Strauße seien kein einfaches Geschäft. Am Ende blieben je Tier "nur 20 bis 25 Kilo Fleisch am Haken", Aufwand und Verantwortung seien aber groß. "Es sind Wildtiere und es bleiben Wildtiere", sagt Frank Löhr. In diesem Jahr will das Paar nach Jahren endlich wieder mal Urlaub machen. Ziel: Südafrika. "In die Heimat der Strauße", so Helfrich.

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