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Berlin: Sanierung in Millionenhöhe - finanziert durch den Steuerzahler : Baupfusch an der Landesvertretung

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Materialmängel an der fast noch neuen gemeinsamen Landesvertretung in Berlin kosten die Steuerzahler in MV und Brandenburg satte 1,6 Millionen Euro. Das räumten die Staatskanzleien in Schwerin und Potsdam ein.

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erstellt am 14.Jul.2011 | 07:59 Uhr

Berlin/Schwerin | Erhebliche Materialmängel an der fast noch neuen gemeinsamen Landesvertretung in Berlin kosten die Steuerzahler in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg satte 1,6 Millionen Euro. Das räumten am Donnerstag die Staatskanzleien in Schwerin und Potsdam auf Nachfrage ein. Zugleich bestätigte die für den Bau federführende Brandenburger Landesregierung Informationen unserer Redaktion, wonach sich Teile der aus Schieferplatten bestehenden Fassade gelöst haben und herabgestürzt sind. Seitdem ist das Gebäude in den Ministergärten - eine der ersten Adressen der Hauptstadt - komplett eingerüstet. "Die Kosten für die Erneuerung der Fassadenplatten einschließlich der Umsetzung einer Sanierung nach der Energieeinsparverordnung liegen nach den derzeitigen Schätzungen etwas über einer Million Euro pro Land", sagte Potsdams Vize-Regierungssprecherin Gerlinde Krahnert. Und Schwerins Regierungssprecher Andreas Timm: "Ob Schadensersatzansprüche gestellt werden, wird noch geprüft. Wenn eine Chance darauf besteht, Schadensersatz zu bekommen, werden wir diesen Weg gehen."

Unvorhersehbares Restrisiko

Die gemeinsame Landesvertretung war erst vor zehn Jahren im Oktober 2001 eröffnet worden. Verantwortliches Architekturbüro: "Gerkan, Marg und Partner". Das Unternehmen hatte auch den Berliner Hauptbahnhof entworfen - dort stürzte im Januar 2007 bei einem Sturm ein zwei Tonnen schwerer Stahlträger aus der Fassade, zwei weitere lösten sich. Als Ursache bei den Schäden an der Landesvertretung gelten allerdings Materialfehler: "Die mit der Untersuchung befassten Gutachter haben festgestellt, dass zum einen einige Schieferplatten um ihre Befestigungspunkte Rissbildungen aufweisen, die zu einem Herunterfallen der äußeren Plattenhälften führen kann", sagte die Brandenburger Regierungssprecherin. Als Hauptschadensursache sei indes eine starke Ausdehnung der Platten bei Nässeeinwirkung auf die Struktur des Schiefers ermittelt worden. Die dabei erzeugten Spannungen führten letztlich zu den vorhandenen Schäden. Die Sanierungsarbeiten werden bis zum Jahr 2013 andauern, hieß es. Solange werde das Gebäude auch eingerüstet bleiben.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne die Frage nach eventuellen Schadenersatzansprüchen noch nicht abschließend beantwortet werden, musste Krahnert zugeben und versuchte sich in Schadensbegrenzung: Während der Planung sei das Material - Porto-Schiefer - umfassend geprüft worden. Vergleichbare Objekte, an denen die Fassaden ebenfalls mit großformatigen Porto-Schiefer-Platten verkleidet wurden, habe es zu diesem Zeitpunkt - Ende 1999 - nicht gegeben. Die Planung der Fassade sei nach den ästhetischen Intentionen des Architekten und den Anforderungen der Bauherren an eine strenge, einfache Struktur erfolgt.

Die brandenburgische Landesregierung bedauere die entstandene Situation nicht nur im Interesse des Steuerzahlers, sondern auch wegen der Beeinträchtigung der Schaufensterfunktion der Länder Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Berlin, sagte die Sprecherin. Letztlich hätten die Länder aber wie jeder andere Bauherr unvorhersehbare bauliche Restrisiken zu tragen. Ähnlich äußerte sich der Schweriner Regierungssprecher Timm: "Es ist ärgerlich, aber unvermeidlich, dass die Schäden jetzt beseitigt werden müssen. Zugleich besteht die Chance, eine moderne Wärmedämmung in die Landesvertretung einzubauen."

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