zur Navigation springen

Tierschutzbeauftragte : Backhaus will Tierschützer in Ställen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Künftig sollen Tierhalter verpflichtet werden, in großen Schweine- und Geflügelställen Tierschutzbeauftragte einzusetzen, kündigte er im Vorfeld des heutigen Ländertages auf der Grünen Woche in Berlin an.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2014 | 08:30 Uhr

Mehr Tierschutz im Schweinestall: Agrarminister Till Backhaus (SPD) zieht nach dem Skandal über angebliche illegale Tötungen in einer Schweinezuchtanlage der Straathof-Gruppe im vorpommerschen Alt Tellin Konsequenzen. Künftig sollen Tierhalter verpflichtet werden, in großen Schweine- und Geflügelställen Tierschutzbeauftragte einzusetzen, kündigte er im Vorfeld des heutigen Ländertages auf der Grünen Woche in Berlin an. Eine entsprechende Initiative wolle er in die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder einbringen, deren Vorsitz er seit Jahresbeginn hat. Das Wohlbefinden von Schweinen und Geflügel ist ein Thema auf der internationalen Agrarschau. „Wir brauchen eine Offensive für mehr Tierschutz und -wohl“, meinte Backhaus: „Beim Umgang mit Lebensmitteln muss sich etwas ändern. Damit meine ich den Produzenten genauso wie den Verbraucher und den Lebensmitteleinzelhandel.“

Einem Bericht zufolge waren in dem Stall untergewichtige und offenbar nicht lebensfähige Ferkel per Kopfschlag getötet worden. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hatte daraufhin die Anlage durchsucht und Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gegen unbekannt eingeleitet. Ergebnisse lägen bislang noch nicht vor, sagte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler gestern. „Wir stecken mitten in den Ermittlungen.“ Es stünden noch Vernehmungen von Mitarbeitern der Anlage aus.

Backhaus will jetzt den Kontrolldruck erhöhen – in konventionellen und ökologischen Betrieben: „Wir müssen zu mehr Transparenz gerade in der industriellen, also nicht flächen gebundenen, Landwirtschaft kommen.“ Bislang könnten die Behörden Tierhalter in Einzelfällen verpflichten, einen weisungsbefugten, sachkundigen Verantwortlichen für die Einhaltung der Anforderungen des Tierschutzgesetzes einzusetzen. Zunächst solle nun gemeinsam mit dem Bauernverband und dem Tierschutzbeirat eine freiwillige Vereinbarung zur Benennung von Tierschutzbeauftragten geschlossen werden. In Betrieben, die dazu nicht bereit seien, solle der Einsatz schließlich angeordnet werden, sagte Backhaus: „Das geht so nicht weiter. Wer mit Tieren nicht gut umgeht, das rächt sich.“

Mit dem Experteneinsatz müsse eine wesentliche Verbesserung für die Nutztiere erreicht werden, forderte Backhaus. Dazu müsse der Tierschutzbeauftragte qualifiziert werden, regelmäßige Kontrollen im Bestand durchführen, das Eigenkontrollsystem der Betriebe unter die Lupe nehmen, die Mitarbeiter regelmäßig schulen, sich mit den zuständigen Tierärzten konsultieren und die Tierdaten in den Ställen auf dem neuesten Stand halten.

Der Vorschlag geht Umwelt- und Tierschutzverbänden nicht weit genug. Ein Tierschutzbeauftragter, der aus dem eignen Betrieb benannt werde, bringe gar nichts, meinte Corinna Cwielag, Landeschefin des Bundes für Umwelt und Naturschutz. Vielmehr müsse externen Beauftragten das Recht eingeräumt werden, z. B. unangemeldet Stallanlagen kontrollieren zu dürfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen