Baby geschüttelt: Vater verurteilt

Ein schreiendes Baby bringt manche Eltern zur Verzweiflung. Der Vater der elf Wochen alten Juliette jedoch muss komplett die Kontrolle über sich verloren haben. Er schüttelte das Kind im Sommer 2007 in einer Rostocker Wohnung so heftig, dass es schwerste Hirnschädigungen erlitt - das Landgericht Rostock jedenfalls sieht das nun als erwiesen an.

von
22. Oktober 2009, 08:27 Uhr

Rostock | Der 36 Jahre alte Angeklagte hatte während der Monate dauernden Verhandlung dagegen immer wieder beteuert, seine kleine Tochter habe sich verschluckt und wie leblos dagelegen. Aus Panik habe er sie geschüttelt, wie lange und wie heftig wisse er nicht mehr. Das Baby starb zwei Monate später in einer Reha-Klinik. Am Mittwoch wurde der Vater zu drei Jahren und elf Monaten Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. Damit blieb das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von fünf Jahren Haft. Aber auch die Verteidigung zeigte sich nicht zufrieden mit dem Urteil. Nicht das Strafmaß sei anzufechten, sondern die Begründung, die Darstellung der Tat an jenem Abend, sagte die Anwältin des Vaters.

Was genau sich am Tatabend abspielte, das wissen offenbar nur der Angeklagte und der halbwüchsige Stiefsohn. Der damals 34 Jahre alte Vater hatte das Kind im Erziehungsjahr betreut, an diesem Abend zum ersten Mal allein, weil die Mutter einen Job als Reinigungskraft angenommen hatte. Nach Angaben des Angeklagten hatte sich das Baby offenbar beim Füttern verschluckt, lief blau an, ließ Arme und Beine schlaff hängen. Um es zum Luftholen zu bewegen, habe er es an den Füßen kopfüber gehalten und geschüttelt. Das sei ihm auch am Notruftelefon geraten worden, sagte der Angeklagte vor Gericht. Die Rettungsärzte konnten das Baby reanimieren.

Der Angeklagte habe wissen müssen, dass eine solche Behandlung zu lebensgefährlichen Verletzungen bei einem Baby führen könne, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Laut Gutachter müssen dabei gewaltige physikalische Kräfte eingesetzt worden sein, nicht vergleichbar mit Schädigungen durch "normales Schütteln oder ungeschickten Umgang mit Säuglingen".

Ebenso schwer wie die physische Gewalt wiege die Einschüchterung des Stiefsohnes, der vor Gericht keine Aussage zu den Geschehnissen des Abends machen sollte, sagte der Richter. Der Teenager war stundenlang von der Kammer verhört worden, er zitterte am ganzen Körper und weinte und sagte lediglich, da sei etwas, "was nicht raus will". Der Junge sei durch den Tod seiner Halbschwester schwer traumatisiert, sagte der Richter. Das habe der Angeklagte, der wegen Beeinflussung von Zeugen zeitweise in U-Haft saß, mit zu verschulden. Der Angeklagte, der mehrmals unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Diebstahls vorbestraft ist, will gegen das Urteil Berufung einlegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen