Autoknacker immer dreister

Böses Erwachen für viele Gäste der Ostseeklinik in Kühlungsborn: Mehrere Autos der Kurgäste wurden aufgebrochen. Kein Einzelfall, denn immer wieder schlagen Autoknacker in MV zu - jetzt sogar auf Friedhöfen.

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06. Mai 2009, 07:54 Uhr

Kühlungsborn/Anklam | Scheibenklirren und schon wechselten ein Fotoapparat, Auto radios und Navigationsgeräte die Besitzer - Wertsachen aus 13 Autos wurden in der Nacht zum Dienstag in Kühlungsborn erbeutet. "Das geht innerhalb von wenigen Sekunden. Die Täter schlagen einfach die Seitenscheibe ein, nehmen sich, was sie kriegen können und flüchten", sagt der Sprecher der Anklamer Polizeidirektion, Axel Falkenberg.

Im Osten des Landes vergeht kein Tag ohne Autoeinbrüche - bis zu zehn in einer Woche registriert die Polizei. Heringsdorf, Anklam oder Greifswald: "Keine Stadt oder Region ist vor den Tätern sicher", so Falkenberg. In MV etabliert sich ein regelrechter Autoknacker-Tourismus: Die Ermittlungsbehörden gehen von Diebstahls-Reisen aus, die im Vorfeld fein säuberlich geplant und dann Stück für Stück abgearbeitet werden. Dabei suchen sich die Täter entlegene oder unbelebte Parkplätze aus, schlagen sogar am helllichten Tag zu.

Selbst vor Friedhöfen schrecken die Kriminellen nicht zurück. Eine sichere Bank - 15 bis 20 Minuten seien die Halter mindestens nicht in Sichtweite, so Falkenberg. "Mehr als genug Zeit, schon ein Gang zur Toilette genügt den Tätern." Das Ergebnis sei ein Schaden von 100 bis 6000 Euro - am Fahrzeug und durch gestohlene Wertsachen. Von März bis Oktober dauert die Autoknacker-Saison. In den Zentren des Landes wie Rostock und Schwerin werden die meisten Delikte dieser Art gezählt - insgesamt gehen sie aber zurück: von 9229 im Jahr 2004 auf 5515 in 2008. Ein Grund für den Rückgang, so das Landeskriminalamt, seien die immer besseren Sicherheitsvorrichtungen an den Fahrzeugen wie Alarmanlagen und die Sensibilisierung der Bevölkerung. Auch in diesem Jahr sollen Aufklärungskampagnen Urlauber sowie Einheimische warnen, Wertsachen nicht für Täter sichtbar auf den Sitzplätzen zu deponieren. "Jeder ist in der Verantwortung", so Falkenberg weiter.

Erst um die Jahrtausendwende sprengte die Polizei einen Autoknackerring, der aus Polen gesteuert in ganz Deutschland auf Beutetour ging. Damals waren besonders die ersten Navigationsgeräte gefragt. "Generell ist es schwierig Täter zu fassen - gelingt aber immer öfter", sagt Olaf Seidlitz vom Landeskriminalamt. "Auch die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen wird besser. Es gibt aber noch Reserven", so Seidlitz. In Kühlungsborn tappt die Polizei auf der Suche nach den Tätern noch im Dunkeln.

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