Steuerzahlergedenktag : Ausgepresste Arbeitnehmer

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Bis jetzt haben die Deutschen nur für den Staat gearbeitet – Entlastung ist nicht in Sicht

svz.de von
09. Juli 2014, 11:50 Uhr

Abkassieren bei Arbeitnehmern? Gestern war der „Steuerzahlergedenktag“. Seit 1.09 Uhr arbeiten die Deutschen jetzt fürs eigene Portemonnaie und nicht mehr nur für den Staat – zumindest rein rechnerisch. „Die Belastungsquote ist zwar um 0,3 Prozentpunkte gesunken – aber das ist alles andere als eine Entwarnung“, erklärte Reiner Holznagel, Präsident des Steuerzahlerbundes, gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Drohen böse Überraschungen bei Steuern und Abgaben? Hintergründe von Rasmus Buchsteiner.

Wie hat sich die Steuer-

und Abgabenlast entwickelt?
Im Schnitt fließen von jedem verdienten Euro in diesem Jahr 51,5 Cent unmittelbar oder über Verbrauchsteuern und Abgaben dem Staat zu. 2013 waren es noch 51,8 Cent. Der geringfügige Rückgang hat seine Ursache nicht etwa in Steuer- oder Abgabensenkungen, sondern in statistischen Sondereffekten. Zum Vergleich: 1960 lag die durchschnittliche
Steuer- und Abgabenquote bei 40,3 Prozent. Ihren bisherigen Höchstwert erreichte sie im Jahr 2000 mit 54,7 Prozent.

Wie setzt sich die Belastung

im Einzelnen zusammen?
2014 zahlen Arbeitnehmer von jedem verdienten Euro 1,1 Cent an die Pflegekasse, 7,8 Cent für die Krankenversicherung, 1,5 Cent für die Arbeitslosenversicherung sowie 9,6 Cent für die Rentenversicherung. Sonstige Steuerzahlungen – Erbschaftsteuer, Kfz-Steuer, Versicherungssteuer, Hundesteuer etc. – belaufen sich im Schnitt auf 6,8 Cent. Hinzu kommen 1,9 Cent Energiesteuer, 1,5 Cent EEG-Umlage und Rundfunkbeitrag, 11,8 Cent Lohn- und Einkommensteuer sowie 9,5 Cent Mehrwertsteuer.

Werden die Deutschen stärker

belastet als im Ausland?
Eine Doppelverdiener-Familie in Deutschland mit zwei Kindern kam 2013 im Schnitt auf 43,1 Prozent an direkten Lohnabzügen und Umsatzsteuerzahlungen. Das war die fünfthöchste Belastungsquote im Vergleich der OECD-Staaten. Griechenland, Belgien, Frankreich und Italien haben noch höhere Quoten. In den Niederlanden betrug der Anteil dagegen 34,4 Prozent, in Großbritannien 29,2 Prozent und in den USA 28,2 Prozent.

Sind Entlastungen bei

den Sozialbeiträgen in Sicht?
Erst einmal nicht! Der Beitrag der Arbeitnehmer zur gesetzlichen Pflegeversicherung soll Anfang 2015 um 0,15 Punkte steigen. Zeitgleich soll zwar der allein von den Beschäftigten zu zahlende Krankenkassen-Sonderbeitrag von 0,9 Prozentpunkten entfallen. Doch gehen Experten davon aus, dass die Kassen bald Zusatzbeiträge erheben dürften. Zudem rechnet die Rentenversicherung mit steigenden Beiträgen als Folge des Rentenpakets.

Plant Schwarz-Rot

eine Steuerreform?
Im Koalitionsvertrag steht lediglich, dass Steuererhöhungen ausgeschlossen sind. Über Steuerentlastungen oder zumindest Korrekturen beim Thema kalte Progression hat die Koalition bereits mehrfach gestritten – und sieht zurzeit keine Spielräume. Im Zuge der Beratungen über eine Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen dürfte noch in dieser Wahlperiode über die Zukunft des Solidaritätszuschlags entschieden werden.

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