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Aus dem Puderbett in die knisternde Tüte

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HAGENOW | Diät machen die Deutschen später: In der Vorweihnachtszeit sind Plätzchen, Marzipan und Schokolade besonders beliebt. Auch in diesem Jahr rechnen die Süßwarenhersteller zu Weihnachten mit einem Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro. "Weihnachten und Ostern sind die Umsatzspitzen der Branche", sagt Torben Erbrath, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

Glänzend und mit Honigwachs überzogen

Der Bonbonhersteller Sweet Tec mit Sitz in Boizenburg im Landkreis Ludwigslust-Parchim mit seinen rund 150 Mitarbeitern macht in der kalten Jahreszeit ebenfalls ein gutes Geschäft, obwohl er keine reinen Saisonartikel anbietet. "Ab September und Oktober geht es los, und bis Dezember verzeichnen wir eine Umsatzsteigerung von etwa 25 Prozent", erklärt Carola Rückheim von Sweet Tec. Im Herbst und im Winter würden die Menschen einfach mehr Süßes essen. Am besten verkauften sich jetzt Süßigkeiten mit Karamellgeschmack sowie Husten- und Halsbonbons.

Auch in Hagenow bei der Gummi Bear Factory von Trolli freut man sich auf das Weihnachtsgeschäft - doch Sonderschichten müssen hier für den bunten Teller nicht gefahren werden. "Wir machen in der kalten Jahreszeit nicht mehr Umsatz, tendenziell eher im Sommer", erklärt Betriebsleiter Hans-Jürgen Schmid. Auch habe man nur wenige typische Weihnachtsprodukte im Angebot. "Bei uns ist eigentlich ständig Großkampfzeit, Gummibärchen gehen immer", sagt Schmid. Im Sommer verkaufe man sogar mehr - wahrscheinlich weil Gummibärchen bei heißen Temperaturen nicht wie Schokolade dahinschmelzen. Die Bären und die anderen Gummitiere werden erst bei rund 50 Grad schwach - im geschlossenen Auto, das in der Sonne parkt, sollte man den Beutel also nicht liegen lassen.

"Wir exportieren auch viel, und gerade in den südlichen Ländern kaufen die Kunden gerne Süßigkeiten, die sie auch zum Strand mitnehmen können, ohne sich zu verflüssigen", erklärt Schmid. Ein Tütchen Gummibärchen passe aber natürlich auch gut auf jeden bunten Teller zu Weihnachten. "Am besten verkaufen sich Gummimäuse, Milchkühe, die klassischen Gummibärchen und die Panna-Cotta-Tüten", sagt Schmid. Auch Pfirsich- und Apfelringe, saure Würmer und die weichen Joghurt-Gums seien richtige Renner. Fett enthalten die Gummitiere nicht. Die Produkte gehen in die ganze Welt, zum Beispiel nach Portugal, Spanien und in die USA, "nur nicht nach Australien", schränkt Hans-Jürgen Schmid ein.

Im Hagenower Werk riecht es ganz leicht nach Zucker. 430 Mitarbeiter sind hier und im zweiten Standort in Boizenburg angestellt, die beiden Werke produzieren insgesamt 50 000 Tonnen Süßwaren im Jahr. Mindestens 100 verschiedene Gummifiguren werden hier angefertigt, kombiniert mit verschiedenen Aromen und Farben. So können immer neue Tiere entwickelt werden - die Kombinationsvielfalt sei enorm, schwärmt der Betriebsleiter. Selbst mit Chilli-Geschmack habe man schon experimentiert. Seit acht Jahren ist Hans-Jürgen Schmid in der Gummi Bear Factory beschäftigt, die nach der Wende entstanden ist - in der Süßwarenindustrie arbeitet er schon sein ganzes Leben. Beide Produktionswerke gehören zum Süßwarenhersteller Mederer aus Fürth. Zwei weitere Betriebe stehen in Bayern, einer in China, einer in Spanien und einer in Tschechien.

Die Verkaufsrenner: Mäuse und Milchkühe

In den großen weißen Hallen in Hagenow wird die Gummimasse aus Zucker, Gelatine und Glukose in großen silbernen Zylindern unter Druck gekocht, danach kommen die Aromenfarben nach unterschiedlichen Rezepturen hinzu. In kleinen Formen voller Maisstärke werden die Gummiteile dann getrocknet. "Dieses Puderbett aus Stärke entzieht der Masse einen gewissen Prozentsatz an Wasser, so werden die Bären fest", erklärt der Betriebsleiter. Zum Schluss werden die Produkte wieder von dem Puder getrennt, gesäubert und mit einer dünnen Schicht Bienenhonig überzogen, damit sie in den Beuteln nicht zusammenkleben. Im riesigen vollautomatischen Hochregallager, das 30 Meter hoch, 30 Meter breit und 70 Meter lang ist, lagern die Kartons mit der Ware und warten auf ihren Einsatz - im Supermarkt, in der Schultüte oder auf dem Gabentisch.

Insgesamt gibt es in Deutschland über 230 Unternehmen, die Süßwaren produzieren. Die Branche beschäftigt im Jahr durchschnittlich 50 000 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie bei rund 12,5 Milliarden Euro im Jahr. Damit ist die Branche gemessen am Umsatz die drittgrößte der gesamten deutschen Ernährungsindustrie. Auch bei den Süßwaren ist Deutschland Exportweltmeister. 45 Prozent der hier produzierten Süßwaren werden exportiert, vor allem in die EU-Länder.

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erstellt am 07.Dez.2011 | 11:22 Uhr

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