Aufstand der Kleingärtner

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08. Dezember 2008, 10:01 Uhr

Rostock | Im Landesverband der Kleingärtner gibt es Ärger um Finanzen. Der auf der Delegiertenversammlung des Verbandes am Sonnabend neu gewählte Landesvorstand kündigte einen "Kassensturz" an. Die Delegierten hätten "eine äußerst kritische Bilanz" der Arbeit der vergangenen Jahre gezogen und dem bisherigen Vorstand komplett das Vertrauen entzogen. Vor allem zu finanziellen Dingen gebe es noch Klärungsbedarf, hieß es.

Neuer Landesvorsitzender ist Detlev Rauch vom Regionalverband Mecklenburg-Strelitz/Neubrandenburg, wie Verbandssprecher Michael-Günther Bölsche mitteilte. Finanziell stark überfordert sehen sich die Vereine durch Kosten, die bei der Renaturierung leerstehender Gartenflächen entstehen. Wenn ein Garten aufgegeben werde, verlangten Grundstücksbesitzer häufig, dass Bäume gerodet, Teiche, Lauben und Leitungen entfernt würden, erläuterte Bölsche. Dies könne schnell Kosten von mehreren 10 000 Euro verursachen. "Da tickt eine Zeitbombe", sagte der Sprecher. Der neue Landesvorsitzende Rauch verlangte ferner eine konsequente Durchsetzung des Kommunalabgabengesetzes, nach dem kleingärtnerische Anlagen von der Kurtaxe und der Zweitwohnsteuer befreit sind. Einige Kommunen versuchten immer wieder, diese Abgaben dennoch zu kassieren.

Die Kleingärtner haben zudem massive Nachwuchssorgen. Dem Landesverband der Gartenfreunde Mecklenburg und Vorpommern gehören rund 1000 Vereine mit 80 000 Mitgliedern an. Vor wenigen Jahren waren es noch 85 000. In manchen Gartenkolonien stehen nach Angaben von Bölsche bereits mehr als die Hälfte der Kleingärten leer. Der Altersdurchschnitt der Gartenfreunde liegt inzwischen bei über 55 Jahren. Eigentlich hatten die mehr als 100 Delegierten in Roggentin über ein neues Leitbild beraten wollen, das die Vereine für Jüngere attraktiver machen soll. Angesichts der Turbulenzen um den Vorstand wurde dieser Punkt vertagt.

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