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Ex-Regierungschef Harald Ringstorff verlässt Landesparlament : Auf leisen Sohlen aus dem Landtag

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Harald Ringstorff tritt ab. Knapp drei Jahre nachdem er das Amt des Regierungschefs von MV in die Hände seines zehn Jahre jüngeren Nachfolgers Erwin Sellering (beide SPD) legte, verlässt er auch den Landtag in Schwerin.

Schwerin | Harald Ringstorff tritt ab. Knapp drei Jahre nachdem er das Amt des Regierungschefs von Mecklenburg-Vorpommern in die Hände seines zehn Jahre jüngeren Nachfolgers Erwin Sellering (beide SPD) legte, verlässt er auch den Landtag in Schwerin. Die letzte Sitzungswoche des Parlaments in der zu Ende gehenden Legislaturperiode ist nun auch die letzte Arbeitswoche für den 71-Jährigen. Ringstorff, der in der Wendezeit den Weg in die Politik fand und 1998 bundesdeutsche Geschichte schrieb, als er die erste Landesregierung unter Beteiligung der PDS (Linke) bildete, tritt nach 21 wechselvollen Jahren im Parlament zur Wahl am 4. September nicht wieder an.

"Stolz bin ich darauf, dass wir das Aschenputtel-Dasein abstreifen konnten", bilanzierte er im Spätsommer 2008 seine Amtszeit als Regierungschef. Städte und Gemeinden im Nordosten seien "schöner und bunter" geworden, die Wirtschaft habe sich nach schmerzlichen Umbrüchen stabilisiert. Und wie zur Bestätigung bescheinigen jüngste Analysen dem Küstenland eine besonders dynamische Entwicklung. Der Bau von Windparks auf See, die boomende Tourismuswirtschaft oder der seit Jahren ausgeglichene Landeshaushalt bescheren dem Land, dem wegen hoher Arbeitslosigkeit und rechter Randale lange Zeit vorwiegend ein Negativimage anhaftete, zunehmend auch positive Schlagzeilen.

Selbst langjährige politische Konkurrenten billigen Ringstorff zu, mit seiner pragmatischen Politik die Entwicklung maßgeblich vorangetrieben zu haben. Ringstorff habe das Bild des Landes geprägt. "Bei der Bevölkerung war er als Figur des Landesvaters sehr beliebt", resümierte CDU-Fraktionschef Harry Glawe. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU), der bei der Landtagswahl 2006 Ringstorff unterlegen war, bescheinigte seinem Widersacher und späteren Regierungspartner, "doch ganz gut gesät" zu haben.

Trotz für ihn zum Teil schmerzlicher Erfahrungen aus der ersten, CDU-geführten großen Koalition von 1994 bis 1998 war Ringstorff 2006 zur CDU als Partner zurückgekehrt. Eine Stimme Mehrheit, die Rot-Rot nach der Wahl verblieben war, erschien dem kühlen Rechner und unbeirrten Strategen, der parteiinterne Gegner stets im Zaum zu halten verstand, dann doch zu gewagt.

Helmut Holter, 1998 als PDS-Landeschef Verhandlungspartner Ringstorffs und dann unter ihm erster PDS-Minister, sieht in dem 71-Jährigen das "personifizierte Mecklenburg-Vorpommern". Und das beziehe sich keineswegs nur auf dessen Humor oder die sprachlichen Fähigkeiten im Plattdeutschen: "Für ihn ging es immer nur um die Entwicklung des Landes. Das hat unsere Zusammenarbeit geprägt und ein persönlich fast freundschaftliches Verhältnis entstehen lassen." Ernsthaft auf die Probe gestellt wurde die rot-rote Koalition nur einmal, als Ringstorff im Bundesrat entgegen der koalitionsinternen Absprache für die Rentenreform von Rot-Grün stimmte. "Leidenschaft und Engagement", das verbindet Holter ebenfalls mit dem Namen Ringstorff. "Eigenschaften, die man in der heutigen Regierungspolitik schmerzlich vermisst", beklagt Holter.

Diese Option hält sich Ringstorff-Nachfolger Sellering für die Zeit nach dem 4. September ausdrücklich offen. Bündnisse mit der Linken produzieren - anders als bei Ringstorffs auch innerhalb der SPD heftig umstrittenen "Tabubruch" 1998 - längst keine Schlagzeilen mehr. "Du hast diese Partei geführt und ihr den Weg gezeigt, wie sie zur stärksten Kraft wird. Du bist vorangegangen mit vollem Risiko", würdigte Sellering die Leistung seines Vorgängers als Landespartei- und Regierungschef. Für Agrarminister Till Backhaus, der sich kurzzeitig selbst Hoffnung auf die Nachfolge als Ministerpräsident gemacht hatte, kam mit Ringstorffs Wahl zum Regierungschef 1998 die Wende zum Guten für das Land. Er habe Maßstäbe gesetzt, den Haushalt saniert, Schulden abgebaut. Zwar habe er auch seine Auseinandersetzungen mit ihm gehabt. "Unterm Strich aber war Ringstorff der beste Landesvater, den Mecklenburg-Vorpommern nach der Wende hatte", befindet Backhaus.

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erstellt am 26.Jun.2011 | 05:02 Uhr

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