Auf der Flucht aus Angst um sein Leben

<strong>Auch wenn er seine  Heimat</strong> vermisst, fühlt sich Asmi wohl in Schwerin. <foto>Reinhard Klawitter </foto>
Auch wenn er seine Heimat vermisst, fühlt sich Asmi wohl in Schwerin. Reinhard Klawitter

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21. März 2013, 10:16 Uhr

Schwerin | "Ich hab Geld dafür bezahlt, um mein Leben zu retten." Die Worte sagt Assimiou Assakara - genannt Asmi - nüchtern. Man merkt ihm nicht an, dass er eine traurige Geschichte zu erzählen hat. Mit ruhiger Stimme berichtet er über seine Vergangenheit, nur seine Hände verraten ihn. Mit weiten Gesten verleiht er seinen Worten Nachdruck, wenn ihn etwas aufregt.

Asmi stammt aus dem westafrikanischen Togo. In einem kleinen Ort im Norden sei er aufgewachsen, zur Schule gegangen und hätte eine Ausbildung abgeschlossen, berichtet er. Danach zog es ihn vom Norden an die Küste im Süden des Landes. In der Hauptstadt Lomé fand er Arbeit als Automechaniker, seine Familie lebte nach wie vor in Asmis Geburtsort Kpalime. Was er beim Aufbereiten von alten Fahrzeugen verdiente, reichte ihm zum Leben. Und er konnte seine Mutter und die jüngeren Geschwister unterstützen. Da sein Vater gestorben war, war die Familie auf Asmis Hilfe angewiesen.

Dennoch war Asmi mit seinem Leben zufrieden. Er dachte nie daran, die Heimat zu verlassen. Dann kam alles anders. "Ich war nie als Mitglied einer Partei aktiv", erzählt der heute 41-Jährige bestimmt. Dennoch war er gegen die Politik des damaligen Präsidenten Gnassingbé Eyadéma. "Togo war damals eine Diktatur", mit seinen Händen unterstreicht Asmi seine Worte. Auch heute wäre Togo unter der Führung von Eyadémas Sohn noch weit von einer Demokratie entfernt.

In seiner Zeit als Automechaniker bemerkte Asmi, dass Kollegen, die dem Präsidenten zugewandt waren, bessere Aufträge bekamen. Und so mehr Geld verdienten. Als Anhänger der Oppositionspartei blieb ihm das verwehrt. Dennoch war Asmi zufrieden. Brenzlig wurde es für ihn erst, als er sich öffentlich gegen die Opposition stellen sollte.

"Ich sollte einen Brief unterschreiben, indem ich bekenne, dass der Führer der Gegenpartei schlecht ist", erinnert er sich. Mit Ausreden versuchte er, sich vor der Unterschrift zu drücken. "Ich wollte nicht Nein-sagen und hab deshalb immer gesagt, dass ich keine Zeit hab", sagt er mit einem Augenzwinkern. Doch seine Strategie ging nicht auf. "Eines Tages kam ein Soldat zu mir nach Hause und fragte nach mir", erinnert sich der Togolese.

Sein Bruder informierte ihn, dass man nach ihm suchte. "Was hast du gemacht?", fragte der Bruder ihn. Von da an wusste Asmi, dass sein Leben in Gefahr war. Um seine Familie und sich selbst zu schützen, ging er für drei Monate in das Nachbarland Benin. Doch die Soldaten kamen mehrmals wieder, durchsuchten das Haus und glaubten der Familie nicht, dass er nicht da sei.

"Ich hab dann beschlossen, dass es das Beste ist, wenn ich meine Heimat verlasse", erzählt Asmi. Er bezahlte einen Schlepper dafür, dass er ihn nach Frankreich brachte, von dort aus ging es weiter nach Deutschland. Das sei 2004 gewesen. Die ersten drei Monate verbrachte Asmi in einem Flüchtlingswohnheim in Nostorf-Horst. Hierher kommen zunächst alle Asylbewerber des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Später wurde der Togolese in einem Heim für Asylbewerber in Ludwigslust untergebracht. "Ich habe zusammen mit zwei anderen Männern in einem Raum gelebt", erinnert sich Asmi zurück. Es habe ihm dort gefallen. Zu seinen beiden Mitbewohnern entwickelte sich eine Freundschaft. Das Zimmer sei wie eine ganz normale Wohnung eingerichtet gewesen und der Platz für ihn ausreichend. Besuch hätten sie auch empfangen dürfen. In dieser Unterkunft lebte Asmi bis zum August letzten Jahres. Dann zog er nach Schwerin. Obwohl er in Ludwigslust einen Job auf einer Hühnerfarm gefunden hatte, wollte er nicht dort bleiben. "Meine beiden Freunde waren nicht mehr da und ich habe mich einsam gefühlt", erzählt der 41-Jährige. Einer sei abgeschoben wurden, der andere plötzlich verschwunden gewesen. Asmi hatte mehr Glück: Im letzten Jahr erhielt er eine Aufenthaltsgenehmigung und darf nun im Land bleiben. Auch wenn er sich gerade über seinen Aufenthaltstitel keine Sorgen mehr machen muss, ist es für Asmi nicht leicht. Durch den Umzug nach Schwerin, hat er seine Arbeit verloren. Außerdem fehlt ihm seine Familie. "Togo ist meine Heimat. Ich vermisse meine Mama, meine Geschwister und meine Freunde, mit denen ich aufgewachsen bin", sagt er.

Dennoch gefalle es ihm in Mecklenburg-Vorpommern. An ein besonderes Erlebnis, das schon ein paar Jahre her ist, denkt Asmi gerne zurück: Einmal habe er ein Probetraining mit Hansa Rostock machen dürfen. Er spiele leidenschaftlich gerne Fußball, begeistert er sich. Und das anscheinend auch gut. Denn nach dem Probetraining habe Hansa ihn unter Vertrag nehmen wollen. "Ich hatte damals aber nur eine Duldung", berichtet der Togolese. Daran sei seine Profikarriere gescheitert.

Besonders froh ist Asmi darüber, dass er in Deutschland in Sicherheit ist. Er habe allerdings auch immer wieder Situationen erlebt, bei denen er merkte, dass er hier von manchen nicht erwünscht sei. "Ich war in einem Supermarkt und wollte mit meinem eigenen Geld Sachen kaufen", erinnert er sich. Die Kassiererin habe ihn angeguckt und "Schwein!" gesagt. Er habe die Beleidigung genau verstanden, aber so getan, als habe er nichts gehört, berichtet Asmi in seiner nüchternen Art. "Ich lasse mich nicht provozieren", fügt er achselzuckend hinzu. Mittlerweile gäbe es weniger fremdenfeindliche Vorfälle. In seiner Anfangszeit wäre das noch viel häufiger vorgekommen. Vor kurzem hätte er allerdings wieder ein unschönes Erlebnis in einer Disko gehabt: Zwei Männer hätten versucht, ihn mit Worten zu provozieren. Er habe nicht darauf reagiert. Daraufhin hätten die beiden ihre Gläser über seinen Kopf ausgeschüttet. "Ich habe einfach gelacht und so getan, als wenn es ein Scherz wäre", sagt Asmi.

Trotz aller Schwierigkeiten möchte Asmi hier bleiben. Er besucht gerade einen Sprach- und berufsvorbereitenden Orientierungskurs an einer Berufsschule. Sein Ziel für die Zukunft: "Ich möchte meine Schule mit einem guten Zeugnis beenden", sagt er. Für danach wünscht er sich eine gute Anstellung. "Ich möchte eine gute Arbeit finden, auch wenn das heißt, dass ich Mecklenburg-Vorpommern verlassen muss", sagt er.

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