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Mordfall Christin M. : Auf den Spuren der Toten

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erstellt am 28.Jul.2009 | 07:58 Uhr

Rostock/Schwerin | Im Juli 2007 wurde die 36-jährige Christin M. im Wald bei Kröpelin mit einem Ast erschlagen. Ihr kleiner Sohn überlebte schwer verletzt. Seitdem jagt eine Sonderkommission den "Waldmörder". Der blieb bislang ein Phantom. Aber zwei DNA-Spuren gehören zu den wichtigsten Beweismitteln, die sichergestellt wurden. Sie lösten eine der größten Fahndungen in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns aus. 6500 Männer, die in der Umgebung des Tatorts leben, gaben freiwillig Speicheltests ab. Ohne DNA-Tests wäre die Hoffnung, den Mörder zu fassen, gering.

Die Gen-Analyse ist aus der Gerichtsmedizin nicht mehr wegzudenken. Gestern ließ sich Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) im Institut für Rechtsmedizin der Rostocker Uniklinik in die Geheimnisse des DNA-Tests einweihen. Die Rostocker Rechtsmedizin mit Außenstelle in Schwerin steht sonst eher selten im Fokus der Öffentlichkeit. Und so nahmen die etwa 20 Beschäftigten aufmerksam wahr, dass sich die Ministerin gegen einen weiteren Abbau in der Rechtsmedizin aussprach. Denn die Aufgaben wachsen.

Der neue Chef des Rostocker Instituts, Professor Andreas Büttner, sieht unter anderem verstärkten Handlungsbedarf bei Drogenanalysen. Hierzulande säßen immer mehr Autofahrer nach Einnahme von Kokain und Haschisch am Steuer. Diese könnten nur anhand von Blutproben überführt werden, die von Rechtsmedizinern untersucht werden. Dazu kommt die Arbeit auf dem klassischen Feld der Gerichtsmedizin: Jedes Jahr werden in Rostock und Schwerin etwa 250 Leichen genauestens untersucht. "Die Todesursache rechtzeitig zu klären, verkürzt oft kostspielige Gerichtsverhandlungen", sagte er. Oder erspare sie sogar.

"Lebensende" ist zu wenigSeine Mitarbeiter berichten von einem fünfjährigen Mädchen, das auf dem Familienfest beim Tanzen zusammenbrach und nicht gerettet werden konnte. Mord? Bei der Obduktion wiesen die Rechtsmediziner Erreger von Ringelröteln nach - und konnten ein Verbrechen ausschließen. Bei einer skelettierten Frauenleiche, die bei Rostock gefunden wurde, fanden die Spezialisten durch Haaranalyse heraus, dass es sich um eine kasachische Prostituierte handelte, die an einer Überdosis Drogen gestorben war.

Andere Todesfälle dagegen sehen harmlos aus, obwohl eine Straftat vorliegt. Sie bleiben ungesühnt, wenn der Arzt, der den Totenschein ausstellt, unqualifiziert ist. Büttner zeigt einen Totenschein, auf dem ein Mediziner als Todesursache "Lebensende" eintrug - was wenig hilfreich sei. Alle Ärzte müssten zur rechtsmedizinischen Weiterbildung verpflichtet werden, fordert auch die Justizministerin.

Wenn Rechtsmediziner und Ermittler eng zusammenarbeiten sind die Erfolgsaussichten bei der Aufklärung von Straftaten besser. Das gibt Hoffnung für den Waldmörder-Fall. Hier laufen die Ermittlungen weiter. Im lokalen Umfeld und europaweit, weil es Treffer in den Gen datenbanken verschiedener Staaten gegeben haben soll.

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