Arbeitsschutz : Asbest mit der Schaufel verladen

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Landesgesundheitsamt musste bei mehr als jeder zweiten Betriebskontrolle Mängel beanstanden. 14 tödliche Arbeitsunfälle 2013

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22. Juli 2014, 20:30 Uhr

In puncto Arbeitsschutz ist in Mecklenburg-Vorpommerns Betrieben noch einiges zu tun: Bei 11 470 Betriebs- und 3179 Baustellenüberprüfungen durch Arbeitsschutz-Experten des in Rostock ansässigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) gab es im vergangenen Jahr insgesamt 9128 Beanstandungen. Diese Zahlen nannte Dr. Heiko Will, Erster Direktor des Lagus, gestern in Schwerin bei der Vorstellung des Jahresberichtes der Behörde. „Schwerpunkte unserer Kontrollen waren die Baubranche sowie die Land- und Forstwirtschaft“, so Will. Die Betriebstruktur im Land – 80 Prozent der Unternehmen seien Kleinstbestriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern – bringe mit sich, dass es häufig weder eine Gefährdungsanalyse noch speziell für Arbeitsschutzbelange geschulte Mitarbeiter gibt. Umso wichtiger sei die Präsenz der Arbeitsschutzbehörde vor Ort.

Die meisten Mängel wurden bei der Einhaltung von Vorschriften zu Arbeitsstätten, Arbeitsmitteln, Arbeitsschutzorganisation und Gefahrstoffen festgestellt. Will wies in diesem Zusammenhang auf einen besonders schwerwiegenden Fall aus Güstrow hin. Bei Abbau- und Bereinigungsmaßnahmen auf dem Gelände eines ehemaligen DDR-Betriebes wurde im vergangenen Sommer unsachgemäß mit asbesthaltigem Material umgegangen. Die Arbeitsschutzexperten des Lagus stellten fest, dass dort auf dem Dach einer Lagerhalle Asbestzement-Wellpappen zerschlagen und in den Innenraum der Halle geworfen wurden. „Bei einer derartigen Zerstörung von asbesthaltigem Material ist die Wahrscheinlichkeit der Freisetzung krebserzeugender Fasern ziemlich hoch“, konstatiert der Lagus-Bericht. Asbestfasern können unter anderem Lungenkrebs und Asbestose sowie Tumore des Bauch- und Rippenfells auslösen.

Zum Zeitpunkt der Kontrolle in Güstrow waren mindestens vier Arbeiter damit beschäftigt, Asbestzementbruchstücke in die Schaufel eines Radladers zu sammeln – ohne dabei Atemschutz und Schutzbekleidung zu tragen. Unter insgesamt elf Arbeitern, die schließlich auf der Baustelle befragt werden konnten, gab es keinen Sachkundigen, es konnte kein Nachweis der erforderlichen Vorsorgeuntersuchungen erbracht werden. Absperrungen, Kennzeichnungen und hygienische Mindestausstattungen fehlten. Außerdem war dem Lagus das Arbeiten mit Asbest nicht angezeigt worden. Da es auch noch Ungereimtheiten zwischen Haupt- und Subunternehmen gab, wurde das Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

In weniger schwerwiegenden Fällen werden den Betrieben zuerst Fristen zur Beseitigung der Arbeitschutz-Mängel gesetzt, erläutert Will. Erst, wenn diese bei einer Nachkontrolle immer noch bestehen, kommt es zur Ahndung von Verstößen, beispielsweise mit Verwarnungen oder Bußgeldern. „Etwa 20 Fälle haben wir an die Staatsanwaltschaft abgegeben“, so der Lagus-Direktor.

Zur Arbeit der Arbeitsschutz-Experten gehörte im vergangenen Jahr auch die Untersuchung von insgesamt 191 Arbeitsunfällen im Land. 27 dieser Unfälle waren besonders schwer, das Gros davon, 16, ereignete sich auf Baustellen. 14 Menschen kamen 2013 in Mecklenburg-Vorpomern bei einem Arbeitsunfall ums Leben. Besonders kritisch sehen die Lagus-Mitarbeiter in diesem Zusammenhang Bauarbeiten an Solaranlagen. So war in Demmin ein Mann ums Leben gekommen, als das Gerüst, auf dem er Solarmodule zwischenlagerte, umkippte und über ihm zusammenstürzte.

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