Billiglöhne : Arm trotz Vollzeitjob

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Angestellte in Restaurants, bei Caterern oder in Hotels sind im Norden am meisten von Armut bedroht.

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06. März 2014, 07:36 Uhr

Schuften für Billiglöhne: Angestellte in Restaurants, bei Caterern oder in Hotels sind im Norden am meisten von Armut bedroht. Jeder dritte Hauptverdiener in der Branche kommt mit dem vom Chef gezahlten Lohn nur mit Zuschüssen vom Amt über die Runden, geht aus einem gestern vorgestellten Branchenvergleich des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. In MV sei die Quote noch höher. Von Niedriglöhnen seien nicht mehr nur Zu- sondern auch Hauptverdiener betroffen, kritisierte DGB-Landeschef Uwe Polkaehn: „Wenn fast jeder zehnte Hauptverdiener, 9,5 Prozent, von Armut bedroht war, ist das ein Alarmzeichen und ein gutes Argument, die Lohnspirale endlich nach oben zu drehen.“

Besonders betroffen: neben dem Gastgewerbe auch der Bereich Kunst, Unterhaltung, Erholung sowie Beschäftigte in Heimen und Sozialeinrichtungen. Jeder vierte Mitarbeiter muss dort mit Niedriglöhnen auskommen. Beschäftigte in der Energieversorgung, bei Banken und Versicherungen, in der öffentlichen Verwaltung, der chemischen Industrie oder im Fahrzeug- und Maschinenbau sind kaum betroffen – weniger als drei Prozent seien armutsgefährdet.

Das Gastgewerbe sucht indes den Weg aus dem Lohnkeller: Einer DGB-Modellrechnung zufolge muss z. B. eine Hotelfachfrau – verheiratet, eine Tochter, Mann ohne eigenes Einkommen – an der Mecklenburgischen Seenplatte bei einem Stundenlohn von 8,78 Euro nach einer 39,8-Stunden-Woche am Monatsende inklusive Kinder- und Wohngeld mit 1371 Euro netto auskommen – und sich Hilfe vom Sozialamt holen. Die 2012 vereinbarte Tariferhöhung von insgesamt 17 Prozent bis 2015 sei ein Signal der Branche, schrittweise den Lohnabstand zu verringern, meinte Matthias Dettmann, Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes: „Das ist nicht in einem Sprung zu machen.“ Die Unternehmen hätten nach den Investitionen der vergangenen Jahre unter dem Kapitaldienst und dem Saisongeschäft zu leiden. Dettmann: „Die Kapitalrendite ist erschreckend niedrig.“ Auch gelte der Tarifvertrag nur für jedes vierte der 6500 Unternehmen der Branche und jeden zweiten Beschäftigten.

In MV wird den Beschäftigten generell der niedrigste Bruttolohn gezahlt – im Schnitt 23 289 Euro im Jahr, 20 Prozent weniger als im Bundesschnitt. Besonders niedrige Löhne ermittelte das Statistische Amt im wirtschaftlich starken Landkreis Ludwigslust-Parchim. „Ein statistischer Effekt“, erklärte Dezernentin Margit Herrmann. Im Kreis gebe es ein Unternehmen mit vielen geringfügig Beschäftigten im Niedriglohnbereich, das das gesamte Lohnniveau des Landkreises drücke.


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