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Jobcenter reichen deutlich weniger Eingliederungshilfen aus : Arbeitslose schlagen Qualifizierung aus

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Weniger Ein-Euro-Jobs, weniger Qualifizierungsmaßnahmen, weniger Eingliederungszuschüsse: Die drastischen Etatkürzungen der Arbeitsverwaltung bekommen Arbeitslose in MV noch deutlicher zu spüren als befürchtet.

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erstellt am 18.Jul.2011 | 07:32 Uhr

Schwerin | Weniger Ein-Euro-Jobs, weniger Qualifizierungsmaßnahmen, weniger Eingliederungszuschüsse: Die drastischen Etatkürzungen der Arbeitsverwaltung bekommen Arbeitslose in MV noch deutlicher zu spüren als befürchtet. In den letzten Monaten haben die Jobcenter im Land insgesamt knapp 12 400 Stellen in der so genannten aktiven Arbeitsmarktförderung weniger besetzt, ergab eine Marktanalyse der Landesagentur für Arbeit. So ist im Vergleich zum Vorjahr jeder zweite Ein-Euro-Job weggefallen - 9312 Stellen weniger als vor einem Jahr. Nicht genug: Zudem gingen auch die Qualifizierungsplätze um 30 Prozent auf nur noch 7066 Stellen und die Eingliederungszuschüsse um mehr als 40 Prozent auf knapp 3500 Fälle zurück. Damit schlagen ausgerechnet in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit der Ende Juni bundesweit höchsten Arbeitslosenquote von 11,9 Prozent, die heftigen Haushaltskürzungen besonders stark zu Buche. Zum Vergleich: Bundesweit ging die Zahl der Arbeitsgelegenheiten um 35 Prozent zurück.

Dabei war die Arbeitsverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern zum Jahresende 2010 noch davon ausgegangen, dass es beispielsweise bei Qualifizierungsprogrammen nur zu geringfügigen Kürzungen kommen werde. Angebote sollte es vor allem in den Gesundheitsberufen sowie in der Metall- und Elektrobranche geben, hatte Landesagenturchef Jürgen Goecke angekündigt und erklärt: Am Geld sollte "keine Maßnahme scheitern". Inzwischen aber an den Bewerbern: Es werde immer schwieriger, Arbeitslose zu finden, die bereit seien, die Qualifizierungsangebote anzunehmen, sagte Goecke. "Die Bereitschaft und die Fähigkeiten sind nicht mehr so hoch." In den Jobcentern werde jetzt über neue Konzepte nachgedacht, wieder mehr Frauen und Männer für Qualifizierungsmaßnahmen zu gewinnen. Bis dahin solle der nicht genutzte Qualifizierungsetat wieder stärker unter anderem in neue Arbeitsgelegenheiten gesteckt werden, teilte Goecke mit.

Mittlerweile habe die bessere Lage auf dem Stellenmarkt auch zu einem deutlichen Rückgang der Eingliederungszuschüsse geführt. So sollen Mitnahme-Effekte vermieden und die Zuschüsse nur für förderbedürftige Arbeitslose gezahlt werden, sagte der Agenturchef. Goecke rechnet indes in den kommenden Jahren mit deutlich weniger Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Prognose: 2015 werde das Land die Marke von 75 000 Arbeitslosen unterschreiten.

Bis dahin werden sich Erwerbslose auf weitere Kürzungen im Förderetat einstellen müssen. Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass die Eingliederungshilfen der Jobcentern im kommenden Jahr noch einmal um mehr als 20 Prozent reduziert werden. Es sei falsch, bei sinkenden Arbeitslosenzahlen gleichzeitig die Förderung zu kürzen, kritisierte der Chef der Landtagsfraktion der Linken, Helmut Holter, die Entscheidung. Vielmehr bräuchten die, die jetzt arbeitslos seien, weit mehr Zuwendungen. Weitere Kürzungen wären "sozial unzulässig", meinte Holter. Der ehemalige Arbeitsminister hatte erst vor kurzem kritisiert, dass MV im vergangenen Jahr 19 Millionen Euro der für das Land vom Bund bereitgestellten Eingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose nicht abgerufen habe. Agenturchef Goecke begründete das mit einer geänderten Haushaltsführung der Arbeitsverwaltung. So seien 2010 unter anderem auch Verbindlichkeiten für das Folgejahr zu berücksichtigen gewesen.

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