Anzeigen für Fahren ohne Ticket

Die Justiz in MV sieht in Strafanzeigen ein wirksames Mittel gegen das Schwarzfahren. "Im Einzelhandel ist es bereits selbstverständlich, dass jeder Diebstahl zur Anzeige gebracht wird", sagte Oberstaatsanwalt Ralph-Siegfried Ketelboeter.

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14. September 2009, 08:31 Uhr

Schwerin | Seit zwei Jahren zeigt der Nahverkehr der Landeshauptstadt jeden Fahrgast ohne Ticket und ohne ausreichende Erklärung dafür rigoros an, wie Prokuristin Leane Klemme bestätigte. Im Zusammenhang mit dem "hohen Kontrolldruck" durch eine private Firma sei es gelungen, die Schwarzfahrerquote deutlich zu senken. Nach Angaben des privaten Dienstleisters Ghost Services GmbH sank die Zahl der jährlich ertappten Schwarzfahrer in der Stadt von früher 12 000 bis 14 000 auf mittlerweile weit unter 10 000. Rigide Kontrollen schadeten möglicherweise der Statistik und dem Image der Stadt, würden aber die tatsächliche Zahl von Delikten reduzieren helfen, hieß es beim Nahverkehr. Tatsächlich hat im vorigen Jahr das konsequente Ahnden von Schwarzfahren dazu beigetragen, dass Schwerin statistisch gesehen die höchste Kriminalitätsbelastung aller deutschen Großstädte aufwies, wie Innenminister Lorenz Caffier (CDU) feststellte. Seinen Angaben zufolge wurden in Schwerin 2007 4300 Schwarzfahrer erwischt, in der doppelt so großen Hansestadt Rostock dagegen nur 3300. In Schwerin machte Schwarzfahren damit 25,4 Prozent aller Straftaten aus. In Rostock waren es laut Caffier 13,5, im Bundesdurchschnitt 3,3 Prozent.

Doch auch die Staatsanwaltschaft setzt auf konsequentes Anzeigen seitens der Verkehrsbetriebe. Damit könnten Wiederholungstäter oder sogar Bewährungsversager ermittelt werden, sagte Oberstaatsanwalt Ketelboeter. Jens Brenne, Richter am Amtsgericht Schwerin, sprach indes von einem teils unverhältnismäßig hohen Aufwand für die Justiz. Die Zahl der Betrugsverfahren, das Gros davon wegen Schwarzfahrens, stieg um etwa 50 Prozent.

Demgegenüber registrierte Rostock als größte Stadt des Landes keine Zunahme von Schwarzfahrten. Oberstaatsanwalt Peter Lückemann begründete dies auch damit, dass in der Hansestadt nicht jede Schwarzfahrt zur Strafanzeige gelangt. Laut Rostocker Straßenbahn AG ist die Tendenz zum Schwarzfahren in der Hansestadt aber nicht gestiegen. Bei rund 40 Millionen Fahrgästen im Jahr würden rund 9400 Schwarzfahrer gestellt. Kontrolliert würden pro Jahr rund 540 000 Fahrgäste, sagte Marketingchef Hans-Peter Krause. Die Dunkelziffer bei Schwarzfahrern liege bei geschätzten fünf Prozent.

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