Angeltouristen locken

Das Angeln soll in MV weiter erleichtert und die Zahl der fischfressenden Kormorane endlich reduziert werden. Der Binnenfischereiverband forderte gestern auf seiner Jahrestagung in Güstrow, Kindern bis 14 Jahren das Angeln ohne Fischereischein zu erlauben. Daneben soll der sogenannte Touristen- Fischereischein, der bisher 28 Tage gilt, auf ein Jahr Geltungsdauer ausgedehnt werden.

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03. März 2009, 07:22 Uhr

Güstrow | Der Staatssekretär im Schweriner Agrarministerium, Gerhard Rudolphi, der Landesanglerverband und Vertreter von Fraktionen des Landtags signalisierte Zustimmung zur Angelerleichterung. Die nötige Gesetzesnovelle soll 2010 verabschiedet werden. "Es ist politisch und sozial richtig, Kinder früh an Natur heranzuführen", sagte Rudolphi zu den Plänen. Bisher durften Kinder laut Verband bis zwölf Jahren frei und ab zwölf Jahren und nur in Begleitung eines Erwachsenen mit gültigem Fischereischein angeln.

Einfach zum TouristenfischereischeinMit den geplanten Lockerungen sollen Angeltouristen, die in Europa schon in Frankreich, Holland und Skandinavien ohne "Führerschein" fischen dürfen, künftig dauerhafter an die Mecklenburgische Seenplatte und die Ostsee gelockt werden. Vor einem Jahr hatten die Fischer noch die völlige Abschaffung des Fischereischeins gefordert, sich damit aber nicht durchsetzen können. Jetzt sollen Angler jährlich auf einfachere Weise den Touristenfischereischein erwerben oder einmal die Prüfung für einen dauerhaften Fischereischein ablegen können.

Komoran - Hauptfeind der FischerDer "Hauptfeind" der Fischer bleibe weiter der Kormoran, sagte der Präsident des Verbandes der Binnenfischer, Ulrich Paetsch. Weil die Zahl der fischfressenden Kormorane weiter steigt, wollen die Fischer, dass Jungvögel 2009 auch in bestimmten Brutkolonien wieder geschossen werden dürfen. Der "Fischräuber" mache auch alle Bemühungen, die drastische gesunkenen Aalbestände wieder zu erhöhen, zunichte. So habe die Zahl der Brutpaare 2008 im Land um rund 2000 auf 14 400 Brutpaare zugenommen. "Und die Naturschützer behaupteten immer, dass die höchste Bestandsdichte schon erreicht wäre", ärgerte sich Paetsch. Der Nordosten habe damit die höchste Kormorandichte in Deutschland.

EU-Kommission soll Abhilfe schaffenUm die Schäden zu verringern, sollen 2009 mehrere sogenannte Vergrämungsmaßnahmen greifen. "Wir wollen in Brutkolonien Kormorane per Lasergewehr aufscheuchen, damit die Eier auskühlen", sagte Paetsch. Daneben sollen Eier geölt werden, was in Dänemark erfolgreich praktiziert werde, und erstmals seit Jahren auch wieder Jungvögel in geeigneten Gebieten gezielt geschossen werden. "Alle friedlichen Bekämpfungsmethoden haben sich als ungeeignet erwiesen", erklärte Verbandsvizepräsident Hermann Stahl. Alle Vergrämungsmaßnahmen sollen wissenschaftlich begleitet werden.

Wegen des Kormorans und der Aalbestände blicken die Fischer auch nach Brüssel. So arbeite eine Arbeitsgruppe der EU-Kommission derzeit an Lösungsvorschlägen, wie dem schwarzen Vogel beizukommen sei. Zugleich mussten die EU-Mitgliedstaaten Aal-Managementpläne vorlegen, die bis Mitte 2009 bewertet werden sollen - hoffentlich ohne große Restriktionen für die Binnenfischer, sagte Paetsch.

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