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Anzeige gegen Schweriner Helios-Arzt : An alter Verbrennung die Finger verbrannt

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Gegen einen Arzt der Schweriner Helios-Kliniken sind Vorwürfe wegen Abrechnungsbetrugs erhoben worden. Die Schweriner Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Anzeigen von Krankenkassen gegen den Arzt geprüft werden.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2011 | 10:06 Uhr

Schwerin | Eine Brustkrebs-Operation bei einer Patientin, die gar nicht an Brustkrebs erkrankt war. Eine akute Verbrennung, die angeblich versorgt werden musste, die tatsächlich aber schon 40 Jahre zurück liegt und deren Narben nun lediglich geglättet wurden: Die Vorwürfe gegen einen Chirurgen der Schweriner Helios Kliniken wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft der Landeshauptstadt prüft Strafanzeigen, die Krankenkassen wegen Abrechnungsbetrugs gegen den Mediziner gestellt haben.

Gleich mehrere Kassen waren auf die Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung aufmerksam geworden, als erste die AOK Nordost. "Seit 2004 sind die Kassen gesetzlich dazu verpflichtet, ,Stellen zur Behandlung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen einzurichten", so AOK-Nordost-Sprecher Markus Juhls. Jede bei der Kasse eingehende Rechnung würde deshalb einer Prüfung unterzogen. Diejenigen, die die automatische Plausibilitätsprüfung nicht bestehen, würden individuell von Spezialisten kontrolliert. Dabei würden sich Irrtümer schnell von den wenigen vorsätzlichen Falschabrechnungen trennen lassen. "Wenn der Anfangsverdacht einer Manipulation in größerem Umfang besteht, wird die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", so AOK-Sprecher Juhls.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) ging jetzt diesen Weg. "40 Prozent unserer Krankenhausrechnungen werden direkt bezahlt, 60 Prozent zuerst geprüft", erläutert TK-Sprecherin Heike Schmedemann. Auffälligkeiten gingen dann in die Einzelfallprüfung. "Aus den Helios Kliniken Schwerin gab es für den Zeitraum 2009/10 etwa 3500 Fälle, von denen 28 auffällige Rechnungen intensiver geprüft werden mussten. In zwei Fällen zeigte sich aus unserer Sicht, dass nachweislich falsch abgerechnet wurde. Mit diesen Fällen haben wir uns dann auf die bereits von der AOK bei der Staatsanwaltschaft eingereichten Strafanzeige aufgesattelt", so Schmedemann. Einzelheiten zu den beiden Fällen wollte sie mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht nennen. Die Barmer GEK prüft aktuell 40 Rechnungen der Schweriner Helios Kliniken besonders intensiv, so deren Sprecher Wolfgang Klink. Sie alle würden ebenfalls den Bereich der Chirurgie betreffen. Einige Fälle seien bereits der Staatsanwaltschaft übergeben worden, andere befänden sich noch in der Tiefenprüfung. Eine derartige Häufung fehlerhafter Abrechnungen aus einem Klinikbereich sei allerdings ein Einzelfall, betont Klink. Er warnt wie auch der Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) in Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Karl-Friedrich Wenz, vor Vorverurteilungen. Der MDK habe die Verdachtsfälle im Auftrag der Krankenkassen geprüft und teile ihren Eindruck, dass hier Fehler gemacht wurden. Diese kämen immer wieder vor, so Wenz: Durch Fehlabrechnungen - egal ob fahrlässiger oder anderer Art - entstünden den Krankenkassen Milliardenschäden. In Mecklenburg-Vorpommern müssten jährlich zwei Prozent der in Rechnung gestellten Krankenhauskosten beanstandet werden. Wenz zufolge ist das auch dem massiven Erfolgsdruck geschuldet, der auf abteilungsleitenden Ärzten lastet. Denn: "Ein Drittel ihres Jahresgehaltes wird in der Regel als erfolgsabhängige Prämie gezahlt." Das schaffe Druck, Umsatz zu machen.

Helios-Sprecher Timo Mügge bestätigte, dass im vergangenen Jahr "Unstimmigkeiten zu Abrechnungsfragen der Plastischen Chirurgie der Helios Kliniken Schwerin mit Krankenkassen und MDK" aufgetreten sind. Die Vorwürfe in Sachen Abrechnung seien mittlerweile bearbeitet und Erstattungen von den Kassen angenommen worden, so Mügge. Intern seien Konsequenzen gezogen und unter anderem Controlling-Prozesse optimiert worden. Zu Vorwürfen bezüglich durchgeführter Therapien lägen dem MDK zwei Gutachten vor, die keine Verletzung der leitliniengerechten Therapie sehen. Ein drittes vom MDK beauftragtes Gutachten läge Helios bislang nicht vor.

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