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Wertholzversteigerung in MV : Alte Baumriesen unterm Hammer

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Auf dem breiten Waldweg in der Nossentiner Heide in der Nähe von Waren reiht sich ein Baumriese an den anderen. Die prächtigen Stämme kommen am 26. Januar bei der 21. Wertholzversteigerung in Mecklenburg-Vorpommern unter den Hammer.

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erstellt am 05.Jan.2012 | 11:06 Uhr

Auf dem breiten Waldweg in der Nossentiner Heide in der Nähe von Waren (Müritz) reiht sich ein Baumriese an den anderen. Die mächtigen Stämme aus den Forstrevieren des Landes wurden in den vergangenen Wochen mit Schwerlastern zu Mecklenburg-Vorpommerns Laub wert holzplatz gebracht. Jetzt kennzeichnet Holzvermarkter Falk Oelzner die Stämme für die Versteigerung Ende Januar. Zusammen mit Forstwirtschaftsmeister Matthias Siemoneit von der Landesforstanstalt vermisst er mit einem Messschieber, der so genannten Kluppe, 344 tonnenschwere Baumstämme, um die Mindestgebote zu ermitteln.

Mancher Baum hat noch Zeiten erlebt, als Napoleon Bonaparte seine Feldzüge durch Europa geführt hatte. Siemoneit zeigt auf einen Eschenstamm mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern. Dieser bringt es auf 6,11 Festmeter Holz und ist weit über 200 Jahre alt, eine Seltenheit in einer Zeit des europäischen Eschensterbens. Gefällt wurde er im Herbst in den Wäldern der Universität Greifswald. Einige Meter weiter liegt die mit 1,02 Metern dickste Eiche der Auktion, die vom Forstamt Güstrow angeliefert wurde.

Prächtige Stiel- und Traubeneichen, selten gewordene alte Eschen, mächtige Rotbuchen und Roterlen, imposante Birken, Ulmen und Bergahorn-Stämme und sogar eine Vogelkirsche mit 70 Zentimeter Stammquerschnitt aus einem Privatwald kommen am 26. Januar bei der 21. Wertholzversteigerung in Mecklenburg-Vorpommern unter den Hammer. "Allesamt beste Qualität", schwärmt Siemoneit, während er eine Losnummer in eine Rotbuche schlägt.

Nach Einschätzung von Forstwissenschaftlern befinden sich die Laubwälder im Nordosten Deutschlands in einem guten Zustand. "Zwar bringen sie nicht unbedingt Riesen wie der niederschlagsreichere Spessart mit seinen kalk reichen Böden hervor", sagt Oelzner. Doch das Holz made in Mecklenburg-Vorpommern sei bei Händlern begehrt.

Über die Fällung eines Baumes entscheide allein der Waldbesitzer, unter ihnen die 29 Landesforstämter. Stammstärke, Vitalität, Astbildung und eventuelle Verletzungen seien die Kriterien. Nicht jeder alte Laubbaum werde geopfert und vermarktet.

An die 700 Festmeter Holz werden zur Versteigerung aufgerufen. Erwartet werden Betreiber von Säge- und Furnierholzwerken aus dem In- und Ausland. Die Kunden wüssten genau, was sie wollten, achteten auf jede Kleinigkeit wie Farbnuancen oder Narben, sagt Siemoneit. Verarbeitet werden die Stämme vor allem zu edlem Furnierholz für die Möbelindustrie.

Die Nachfrage unterliegt Trendschwankungen. Gutes Eichenwert- und -sägeholz kaufen französische Fasshersteller ebenso gern wie dänische Bettenproduzenten. Die deutsche Autoindustrie interessiert sich seit einiger Zeit für edle Eschen- und Eichenhölzer. Der Bedarf an Rotbuche dagegen, bis vor wenigen Jahren noch stark im asiatischen Raum gefragt, brach mit der Wirtschaftskrise ein. "Wir haben darauf reagiert", sagt Oelzner. "Wir gingen mit der angebotenen Menge herunter. Ein Baum kann schließlich auch noch ein paar Jahre länger stehen bleiben."

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