"Als ob man einen Ball wegschießt..."

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04. Juni 2008, 11:21 Uhr

Im Prozess wegen versuchten Mordes an einem Bekannten hat der Angeklagte vor dem Landgericht Neubrandenburg ein Teilgeständnis abgelegt. "Die Körperverletzung gebe ich zu, aber dass er lebensgefährlich verletzt war, habe ich nicht geahnt", sagte der 42 -Jährige gestern vor der Schwurgerichtskammer. Die Anklage wirft dem Neubrandenburger vor, das 35-jährige Opfer am 2. Oktober 2007 bei einem Trinkgelage wegen einer Scheckkarte brutal zusammengeschlagen, ins Gesicht getreten und danach bewusst lebensgefährlich verletzt im Hausflur liegengelassen zu haben. Das Opfer sitzt seither im Rollstuhl, hat Sprachstörungen und wird nie mehr arbeiten können, wie die Staatsanwältin sagte.

Der Vorfall ereignete sich in der Wohnung einer gemeinsamen Bekannten in der 5. Etage eines Plattenbaus. Angeklagter und Opfer sind seit längerer Zeit arbeitslos und kannten sich vom Angeln und Trinkgelagen. Wie der Angeklagte sagte, habe man bereits tagsüber gemeinsam getrunken und sich abends bei der Frau getroffen, wo ein weiterer Bekannter dabei gewesen sei. Gegen diesen und die Wohnungsbesitzerin wird ebenfalls ermittelt. "Ich habe ihn geschlagen, weil er mich beleidigt hat", sagte der Angeklagte. Mit der Geldkarte habe er erst "nur schnell Biernachschub holen wollen". Karte und PIN-Nummer habe das Opfer freiwillig herausgegeben, danach sei es aber zum Streit gekommen. Dabei habe er noch "drei oder viermal mit dem Spann zugetreten, als ob man einen Ball wegschießt." Die Schwere der Verletzung habe er nicht bemerkt, weil er "besoffen war". Er habe ihn aber nicht töten wollen. Der mutmaßliche Schläger war einen Tag später festgenommen worden, am Nachmittag wurden bei ihm noch 3,66 Promille Blutalkohol gemessen.

Das Opfer war nach dem Vorfall im Treppenhaus abgelegt worden, wo eine andere Mieterin es am 3. Oktober gegen Mittag fand und den Notarzt holte.

Der Angeklagte gab vor Gericht an, dass auch der Mann, der bei dem Trinkgelage dabei war, auf das Opfer eingetreten habe. Das habe er bisher nicht gesagt, weil er in der U-Haft - wo der Bekannte Freunde habe - deswegen von Häftlingen bedroht worden sei. Der Bekannte war gestern als Zeuge geladen, erschien aber nicht und soll später vorgeführt werden. Die 26-jährige Wohnungsinhaberin machte vor Gericht keine Angaben. Ein Urteil soll es frühestens am 4. Juni, geben.

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