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Höchststand : Alarmierend: Ausfall an Berufsschulen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für knapp 60 000 Stunden war im letzten Schuljahr keine Vertretung möglich

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2015 | 07:31 Uhr

Der Unterrichtsausfall an den beruflichen Schulen des Landes hat den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Im Schuljahr 2013/14 fielen 6,3 Prozent der gut 950 000 geplanten Stunden – total waren das 59 400 – aus.

Besonders bedenklich sei, dass der Unterrichtsausfall zunehme, obwohl der Krankenstand im Vergleich zum Vorjahr nicht gestiegen sei, so die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Ulrike Berger. Während nach ihren Angaben im Schuljahr 2004/05 noch 71,6 Prozent der zur Vertretung anfallenden Stunden auf Erkrankungen der Lehrkräfte oder ihrer Kinder zurückzuführen waren, seien es im Schuljahr 2013/14 nur noch 62,4 Prozent gewesen. „Langfristig planbare Ausfallgründe wie etwa Exkursionen oder Fortbildungen nehmen also zu – vor allem in diesem Bereich muss das Bildungsministerium für vernünftigen Vertretungsunterricht sorgen“, konstatiert Berger.

Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Annett Lindner, verweist darauf, dass Berufsschullehrer 2013/14 noch nach dem Lehrerpersonalkonzept in Teilzeit gearbeitet hätten. Zwischenzeitlich hätten sich Gewerkschaft und Bildungsministerium darauf verständigt, die Teilzeit-Regelung zwei Jahre früher als ursprünglich geplant auszusetzen. Bereits im jetzt laufenden Schuljahr sollte sich die Situation an den Berufsschulen dadurch etwas entspannen.

Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) will zum nächstmöglichen Zeitpunkt 20 Vertretungslehrer in die Berufsschulen schicken, um die Situation zu entspannen. Spätestens 2016 sollen sie dann an ihren Einsatzschulen auf reguläre Lehrerstellen wechseln – in Fächern, für die Pädagogen schon jetzt „Goldstaub“ sind: Elektro- und Fahrzeugtechnik beispielsweise, aber auch Gesundheit und Soziales.

Brodkorb verweist aber auch darauf, dass es rein rechnerisch an den Berufsschulen des Landes einen Überhang von etwa 40 Kollegen gibt – nur könne man sie wegen der hochgradigen Spezialisierung nicht so einfach in eine andere Fachrichtung versetzen.

Linken-Bildungsexpertin Simone Oldenburg fordert, Unterrichts- und Ausbildungsbedingungen an Berufsschulen dauerhaft zu verbessern: Jeder fünfte Auszubildende würde jährlich durch die Gesellenprüfung fallen, jeder dritte löse vorzeitig seinen Ausbildungsvertrag. Gründe dafür seien überlastete Lehrkräfte und der enorme Unterrichtsausfall, so Oldenburg.

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