Pilotprojekt : Ärzte als Partner statt „Götter in Weiß“

Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann
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Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann

Pilotprojekt gestartet: Mediziner und Pflegekräfte werden gemeinsam geschult

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17. Dezember 2013, 00:36 Uhr

In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt absolvieren angehende Ärzte und Pflegekräfte aus Greifswald und Neubrandenburg künftig gemeinsam ausgewählte Ausbildungsabschnitte. Die Universität Greifswald und die Fachhochschule Neubrandenburg reagieren damit auf den immer höheren Anteil älterer Patienten auf der einen und weniger Ärzten und Pflegekräften auf der anderen Seite. Gestärkt werden solle die Fähigkeit zur Interaktion von Pflegekräften und Ärzten, sagte gestern der Chef des Fachbereichs Community Medicine der Uni Greifswald, Wolfgang Hoffmann, zum Projektstart. Nach Angaben Hoffmanns fehlen in Mecklenburg-Vorpommern bis 2020 rund 3000 Pflegefachkräfte. Zudem sind dann auch 43 Prozent der jetzt praktizierenden Hausärzte älter als 68 Jahre.

Die angehenden Pflegefachkräfte und Mediziner absolvieren in dem auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt vier Ausbildungsmodule gemeinsam. Dazu gehören Vorlesungen zum demografischen Wandel, ein Hospitationsprogramm in einer Fachklinik, die praktische Bearbeitung eines Patientenfalls sowie die Ausbildungsstation Palliativmedizin.

Das generelle Grundproblem fehlender Fachkräfte könne mit dem Projekt nicht gelöst werden, räumte Hoffmann ein. „Aber wir wollen alte Zöpfe abschneiden.“ Die vollkommen voneinander getrennte Ausbildung und die Vorstellung, dass der Arzt anordne und die Schwester ausführe, seien überholt. Gefördert werden soll das Verständnis für die Arbeit der anderen Seite – ein System, dass sich in den USA als „extrem erfolgreich“ erwiesen habe.

Mit einer vernetzten Ausbildung könne vor allem der unter seinem schlechten Image leidende Pflegeberuf aufgewertet werden. Rund 50 Prozent der Pflegekräfte steigen nach sieben Jahren aus dem Beruf aus, zum großen Teil deswegen, weil sie sich nicht mehr mit dem Beruf identifizieren, sagte Roman Oppermann, Dekan des Fachbereichs Gesundheit, Pflege und Management an der FH Neubrandenburg. „Die seelische Gesundheit der Pflegefachkräfte kann durch die Übertragung von mehr Kompetenzen gestärkt werden.“

Im Gegenzug könnten Ärzte, die in ländlichen Regionen arbeiten, entlastet werden, wenn bestimmte Tätigkeiten an Pflegefachkräfte delegiert werden könnten. „Wenn Hausärzte weit größere Gebiete als heute versorgen sollen, brauchen sie Partner, auf die sie sich verlassen können“, sagte Hoffmann.

Das Pilotprojekt wird mit 250 000 Euro vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert. An ihm sind zunächst zehn Studenten beteiligt.

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